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Bootselektrik planen und erneuern: Verbrauch rechnen, Querschnitt wählen, richtig absichern


Ein Bordnetz wird gerechnet, nicht zusammengekauft

Die meisten Bordnetze sind über Jahre gewachsen: ein Verbraucher hier, ein Ladegerät da, ein Kabel, das gerade zur Hand war. Das funktioniert, bis der Kühlschrank dazukommt – und dann fehlt nicht Kapazität, sondern eine Rechnung.

Wer über Bordelektrik nachdenkt, fängt fast immer bei der Batterie an. Das ist der zweite Schritt, nicht der erste. Welche Batterie passt, lässt sich erst beantworten, wenn feststeht, wie viel Strom an einem Tag ohne Landanschluss tatsächlich gebraucht wird. Und ob die Anlage danach zuverlässig arbeitet, entscheidet sich nicht an der Batterie, sondern an Querschnitt, Absicherung und Ladetechnik.

Dieser Beitrag geht den Weg in der Reihenfolge, in der ein Bordnetz geplant und erneuert wird: Verbrauch ermitteln, Bank auslegen, Ladequellen wählen, Leitungen dimensionieren, absichern, Landstrom anschließen. Welcher Batterietyp der richtige ist – AGM, Gel oder Lithium – ist eine eigene Frage; sie ist in unserem Vergleich der Bootsbatterie-Typen beantwortet und wird hier vorausgesetzt. Wenn Sie direkt wissen möchten, welche Ausbaustufe zu Ihrem Fahrprofil passt, springen Sie zu Welches Bordnetz passt zu welchem Fahrprofil?.

Die Reihenfolge, in der geplant wird

  • Verbrauch – alle Verbraucher mit Leistung und täglicher Betriebsdauer auflisten und in Amperestunden umrechnen
  • Bank – aus dem Tagesverbrauch, der Autarkiedauer und dem nutzbaren Anteil der Nennkapazität die Batteriegröße ableiten
  • Laden – festlegen, woher der Strom zurückkommt: Motor, Landstrom, Solar – und ob die Ladeleistung zur Bank passt
  • Leitungen – Querschnitt nach Strom, Leitungslänge und zulässigem Spannungsfall bestimmen, nicht nach Gefühl
  • Absicherung – jeden Stromkreis passend zu Leitung und Verbraucher absichern

Am Anfang steht der Verbrauch, nicht die Batterie

Die Verbrauchsbilanz ist eine simple Rechnung, die trotzdem fast nie gemacht wird: Leistung mal Betriebsdauer, aufsummiert über einen typischen Tag. Rechnen Sie in Wattstunden und teilen Sie am Ende durch die Systemspannung. Was herauskommt, ist der Tagesverbrauch in Amperestunden, und das ist die Zahl, an der alles Weitere hängt.

Entscheidend ist die Betriebsdauer, nicht die Anschlussdauer. Ein Kühlschrank ist 24 Stunden eingeschaltet, läuft aber nur einen Teil davon; die Ankerwinde zieht viel Strom für wenige Minuten. Wer stattdessen mit Anschlusszeiten rechnet, kommt auf Werte, die zu einer Batteriebank führen, die niemand braucht – und die trotzdem leer wird, weil der Fehler in der anderen Richtung genauso passiert.

So wird gerechnet
Leistung in Watt × Betriebsdauer in Stunden = Wattstunden. Alle Verbraucher addieren, Summe durch die Nennspannung teilen – das ergibt den Tagesverbrauch in Amperestunden.
Beispielzeile
Kühlbox mit 40 W, die an einem warmen Tag rund 8 Stunden effektiv läuft: 40 × 8 = 320 Wh, geteilt durch 12 = rund 27 Ah.
Wo die Zahlen herkommen
Vom Typenschild oder aus dem Datenblatt des jeweiligen Geräts – nicht aus einer allgemeinen Liste. Zwischen Kühlboxen ähnlicher Größe können deutliche Unterschiede bei Leistungsaufnahme und tatsächlichem Energieverbrauch bestehen.
Typische Größenordnung
Eine typische Fahrtenyacht mit Kühlung, Beleuchtung, Navigationselektronik und zeitweiligem Autopilot kann beispielsweise in einer Größenordnung von 50 bis 80 Ah pro Tag liegen. Das ist ein Erfahrungswert aus unserer Beratung und ersetzt Ihre eigene Bilanz nicht – er zeigt nur, ob Sie sich verrechnet haben.

Zwei Einschränkungen gehören dazu, damit die Rechnung nicht genauer wirkt, als sie ist. Für die überschlägige Verbrauchsbilanz kann mit der Nennspannung von 12 oder 24 Volt gerechnet werden – die tatsächliche Bordspannung schwankt mit dem Ladezustand. Und Wandlungsverluste, etwa bei einem Wechselrichter, sowie weitere Systemverluste sollten bei der Dimensionierung zusätzlich berücksichtigt werden.

Die Rechnung lohnt sich zweimal: einmal für den Ausbau und einmal für den Alltag. Wer weiß, dass die Kühlung zwei Drittel des Tagesverbrauchs ausmacht, weiß auch, an welcher Stelle eine bessere Isolierung mehr bringt als hundert zusätzliche Amperestunden.

Tipp aus der Praxis

Machen Sie die Bilanz für unterschiedliche Nutzungsszenarien: etwa für einen Sommertag vor Anker mit laufender Kühlung und für einen langen Fahrtag mit Navigationselektronik, Autopilot und weiteren dauerhaft betriebenen Verbrauchern. Danach kann separat betrachtet werden, welche Ladequellen währenddessen zur Verfügung stehen.

Wie groß die Batteriebank wirklich sein muss

Aus dem Tagesverbrauch wird die Bankgröße über drei Fragen: Wie viele Tage soll das Boot ohne Nachladen auskommen? Welcher Anteil der Nennkapazität ist überhaupt nutzbar? Und wie viel Reserve bleibt für den Fall, dass der Törn anders läuft als geplant?

Der zweite Punkt wird bei der Dimensionierung leicht unterschätzt. Die Nennkapazität einer Batterie ist nicht die nutzbare Kapazität. Wie tief eine Batterie regelmäßig entladen werden darf, ohne dass die Lebensdauer leidet, gibt der Hersteller vor – und die Angabe unterscheidet sich zwischen Blei-, AGM-, Gel- und Lithium-Batterien erheblich. Diese Zahl steht im Datenblatt Ihrer Batterie und gehört in die Rechnung, bevor eine Größe bestellt wird.

Ein Beispiel mit angenommenen 50 Prozent nutzbarem Anteil zeigt die Größenordnung: Bei 60 Ah Tagesverbrauch und zwei Tagen Autarkie werden 120 Ah entnommen – die Bank muss dafür rund 240 Ah Nennkapazität mitbringen. Setzen Sie statt der 50 Prozent den Wert Ihres Batterieherstellers ein, dann stimmt die Zahl auch.

Getrennt davon steht die Starterbatterie. Sie hat eine andere Aufgabe – kurzzeitig sehr viel Strom – und sollte so vom Verbraucherkreis getrennt sein, dass die zum Motorstart erforderliche Kapazität nicht durch die Bordverbraucher entladen wird. Das ist kein Komfortmerkmal, sondern der Grund, warum der Motor auch nach zwei Tagen vor Anker noch anspringt.

Woher der Strom zurückkommt: Motor, Landstrom, Solar

Eine Batteriebank ist nur so gut wie das, was sie wieder füllt. Drei Quellen kommen an Bord infrage, und sie haben unterschiedliche Stärken.

Die Lichtmaschine lädt während des Motorbetriebs. Wie gut sie eine Versorgungsbank laden kann, hängt von Lichtmaschine, Regelung, Verkabelung und Batterietyp ab. Besonders bei modernen Lithium-Systemen oder intelligent geregelten Lichtmaschinen kann ein DC/DC-Ladebooster sinnvoll oder erforderlich sein. Er stellt für die Versorgungsbatterie eine definierte Ladespannung beziehungsweise Ladekennlinie bereit und begrenzt – je nach Gerät – zugleich den Ladestrom.

Das Landstrom-Ladegerät kann die Bank am Liegeplatz unabhängig von Motorlaufzeit und Sonneneinstrahlung kontrolliert vollständig laden. Solar ist die Quelle für alles, was fernab vom Steg passiert: Ein Solarmodul mit passendem Laderegler kann auf einer Fahrtenyacht über weite Teile des Tages einen erheblichen Anteil des Grundverbrauchs decken – wie viel davon ankommt, hängt von Modulfläche, Verschattung und Jahreszeit ab.

Wichtiger als die Auswahl einer einzelnen Quelle ist, dass Ladeleistung und Bankgröße zueinander passen. Eine große Bank an einem kleinen Ladegerät benötigt entsprechend lange Ladezeiten und wird bei kurzen Hafenaufenthalten möglicherweise nicht vollständig geladen. Bei Bleibatterien kann dauerhaft unzureichende Vollladung die Lebensdauer deutlich verkürzen; welche Ladezustände und Ladeverfahren für die jeweilige Bank sinnvoll sind, richtet sich nach der Batteriechemie und den Herstellervorgaben. Umgekehrt braucht ein leistungsfähiges Ladegerät auch die Leitungsquerschnitte, die zu seinem Strom passen – womit der nächste Abschnitt beginnt.

Unser Tipp

Ein Batteriemonitor mit Shunt liefert wesentlich mehr Informationen über den tatsächlichen Energiehaushalt als eine reine Spannungsanzeige. Er misst, was hinein- und herausfließt, statt eine Spannung anzuzeigen, aus der sich der Ladezustand nur ungenau ablesen lässt. Nach zwei Törns wissen Sie, ob Ihre Bilanz gestimmt hat.

Kabelquerschnitt: Strom, Leitungslänge und Spannungsfall entscheiden

Hier liegt der Abschnitt, an dem sich Bordnetze wirklich unterscheiden – und an dem es keine einzelne richtige Zahl gibt. Der Querschnitt richtet sich nach Stromstärke und Leitungslänge, weil an jedem Meter Spannung verlorengeht. Im 12-Volt-Netz fällt das ungleich stärker ins Gewicht als im Hausnetz: Ein Verlust von 0,3 Volt sind bei 12 Volt zweieinhalb Prozent, bei 230 Volt praktisch nichts.

12 oder 24 Volt?

Viele kleinere und mittlere Freizeitboote arbeiten mit 12 Volt. Bei größeren Anlagen und hohen Leistungen kann ein 24-Volt-Bordnetz Vorteile bieten: Für dieselbe Leistung fließt nur etwa der halbe Strom, wodurch Spannungsfall und erforderliche Kabelquerschnitte leichter beherrschbar werden. Welche Systemspannung sinnvoll ist, hängt jedoch auch von Motor, Lichtmaschine, Verbrauchern und vorhandener Installation ab.

Zwei Auslegungsziele, zwei Ergebnisse

Wie viel Spannungsfall zulässig ist, beantworten selbst namhafte Hersteller unterschiedlich – und daraus folgen Querschnittsempfehlungen, die deutlich auseinanderliegen.

philippi: Zuordnung bei weniger als 10 % Spannungsabfall
Für dieses Auslegungsziel ordnet der Katalog den Absicherungen folgende Querschnitte zu: 2 A → 1 mm² · 6 A → 1 mm² · 10 A → 1,5 mm² · 16 A → 2,5 mm² · 20 A → 4 mm² für Leitungen bis 10 m. Über 10 m jeweils eine Stufe größer: 1 · 1,5 · 2,5 · 4 · 6 mm².
Victron: höchstens 2,5 % Spannungsfall
Das entspricht bei 12 Volt 0,3 Volt. Unter dieser Vorgabe trägt eine 1,5-mm²-Leitung bis 5 m nur 4,5 A und bis 10 m nur 2,3 A; 4 mm² kommen auf 12 A beziehungsweise 6 A. Als Faustregel für Leitungen bis 5 m nennt das Dokument: Querschnitt in mm² = Strom in A geteilt durch 3.
Wie die beiden zusammengehören
Die Werte verfolgen unterschiedliche Auslegungsziele. philippi orientiert sich bei seiner Tabelle an einem Spannungsabfall von weniger als 10 Prozent. Für sicherheitsrelevante oder besonders spannungskritische Stromkreise können strengere Anforderungen gelten. Victron empfiehlt als allgemeines Auslegungsziel höchstens 2,5 Prozent. Zusätzlich können die Installationsvorgaben des angeschlossenen Geräts einen größeren Kabelquerschnitt verlangen.

Quellen: philippi Katalog 2026, Abschnitt „Installation von Stromkreisverteilern"; Victron Energy, „Wiring Unlimited", Abschnitte 2.7, 4.1 und 4.6.

In der Praxis sollte der Querschnitt deshalb nicht nur danach gewählt werden, ob eine Leitung thermisch ausreichend dimensioniert ist. Auch Spannungsfall, Leitungslänge, Verbraucher und Herstellervorgaben müssen berücksichtigt werden. Besonders bei hohen Strömen – etwa zu Wechselrichtern, Ankerwinden oder Bugstrahlrudern – wirken sich Leitungswiderstände unmittelbar auf Spannung, Verlustleistung und Funktion aus.

Zwei Punkte, die in beiden Fällen gelten und in keiner Tabelle stehen. Erstens: Bei der Spannungsfallrechnung muss der gesamte Stromweg berücksichtigt werden. Je nach Tabelle oder Herstellerrechner kann die angegebene Leitungslänge unterschiedlich definiert sein – deshalb die jeweilige Berechnungsgrundlage prüfen. Wird mit der einfachen Entfernung zwischen Verteiler und Verbraucher gerechnet, muss bei einem zweipoligen Stromkreis grundsätzlich auch der Rückweg berücksichtigt werden. Zweitens: Für maritime und feuchte Umgebungen sind feindrähtige Marineleitungen mit verzinnten Kupferlitzen die geeignete Wahl. Salzluft wandert in blanke Kupferlitze und arbeitet sich über Jahre nach innen, ohne dass von außen etwas zu sehen ist.

Die Sicherung schützt das Kabel, nicht das Gerät

Die zentrale Aufgabe der Leitungssicherung besteht darin, die Leitung bei Überstrom vor unzulässiger Erwärmung zu schützen. Geräte können zusätzlich eigene Sicherungen oder Herstellervorgaben zur Absicherung besitzen. Wer die Sicherung allein nach dem Gerät aussucht, hat damit noch nichts über den Schutz der Leitung gesagt.

Die Absicherung muss so gewählt werden, dass die Leitung bei Überstrom geschützt ist und der normale Betriebsstrom des Verbrauchers einschließlich zulässiger Einschaltströme nicht zu Fehlauslösungen führt. Gibt der Gerätehersteller eine Sicherungsgröße oder eine maximal zulässige Absicherung vor, ist diese ebenfalls zu beachten.

Eine Sicherung darf deshalb niemals größer gewählt werden, als es die Strombelastbarkeit der verwendeten Leitung zulässt. Eine 20-Ampere-Sicherung an einer Leitung, die nur für 10 Ampere ausgelegt ist, bietet keinen ausreichenden Überlastschutz für diese Leitung.

Quelle: Victron Energy, „Wiring Unlimited", Abschnitt 4.6.

Dazu kommen zwei Punkte, die den Aufbau betreffen. Die einzelnen Stromkreise werden passend zu Leitung und Verbraucher abgesichert. Die Hauptleitung von der Batterie zum Verteiler benötigt ebenfalls eine möglichst nahe an der Stromquelle angeordnete Überstromschutzeinrichtung – denn genau dieses Stück führt im Fehlerfall den vollen Kurzschlussstrom der Bank.

Und alles gehört auf einen Stromkreisverteiler, auf dem beschriftet steht, was wohin geht. Wer im Dunkeln bei Seegang einen Fehler sucht, sucht ihn an einer beschrifteten Anlage in Minuten und an einer gewachsenen in Stunden.

Landstrom: die 230-Volt-Seite hat eigene Regeln

Am Steg kommt mit der 230-Volt-Anlage ein Bereich hinzu, bei dem Fehler unmittelbar zu gefährlichen Berührungsspannungen führen können. Für die 230-Volt-Seite gilt deshalb: normgerechte Bauteile, korrekte Absicherung und im Zweifel eine Fachkraft. Das ist kein Bereich für Improvisation.

Der Landstromanschluss besteht aus mehr als dem Kabel: Landanschlusseinheit mit Absicherung und Fehlerstromschutz, geeignete Steckverbindungen, und – das ist der Punkt, den viele auslassen – eine Antwort auf die galvanische Kopplung.

Über den Schutzleiter des Landanschlusses kann das Boot galvanisch mit anderen geerdeten Metallteilen im Hafennetz gekoppelt werden. Zur Verringerung daraus entstehender Korrosionsströme kommen – abhängig von der Anlage – ein geeigneter galvanischer Isolator oder ein Trenntransformator infrage. Beide arbeiten technisch unterschiedlich: Der Trenntransformator sorgt für eine galvanische Trennung vom Landnetz, während der galvanische Isolator kleine galvanische Gleichspannungen im Schutzleiter blockiert, dessen Schutzfunktion bei höheren Fehlerspannungen aber erhalten bleibt.

Besonders relevant ist das bei Dauerliegeplatz und bei Metallrümpfen. Wer nur ein paar Nächte im Jahr am Landstrom hängt, hat ein anderes Risiko als jemand, dessen Boot acht Monate durchgehend angeschlossen ist. Bei Metallrümpfen ist die Frage allerdings nicht mit einem einzelnen Bauteil beantwortet – dort gehört die gesamte Erdungs-, Potentialausgleichs- und Korrosionsschutzanlage fachgerecht geplant.

Welches Bordnetz passt zu welchem Fahrprofil?

Die Bausteine stehen oben – hier sind sie zusammengesetzt. Suchen Sie den Fall, der Ihrem Boot am nächsten kommt.

  • Tagesboot ohne Kühlung, Liegeplatz mit Strom: kleine Bank, Ladegerät am Steg. Der Tagesverbrauch liegt niedrig, nachgeladen wird zwischen den Törns. Solar ist bei diesem Nutzungsprofil häufig nicht erforderlich, kann aber beispielsweise zur Erhaltungsladung oder bei Liegeplätzen ohne Landstrom sinnvoll sein. Ein sauber abgesicherter Verteiler lohnt dagegen immer.
  • Wochenendtörns mit Kühlbox, meist im Hafen: Bank nach Bilanz, Landstrom-Ladegerät, Trennung Starter/Verbraucher. Die Kühlung ist bei diesem Nutzungsprofil häufig einer der größten Dauerverbraucher. Zwei Nächte vor Anker sollten ohne Nachladen gehen – genau dafür wird gerechnet.
  • Fahrtenyacht mit längeren Ankerphasen: Bank plus Solar plus passende Ladetechnik am Motor. Hier trägt keine einzelne Quelle. Solar deckt einen Teil des Grundverbrauchs, ein DC/DC-Ladebooster nutzt die Motorlaufzeit, das Landgerät füllt im Hafen auf. Bei längeren autarken Phasen wird ein Batteriemonitor besonders sinnvoll, weil Verbrauch und Ladeertrag damit kontrolliert werden können.
  • Dauerliegeplatz und regelmäßiger Landstrom: galvanische Korrosion mitplanen. Je nach Anlage, Rumpfmaterial und Schutzkonzept können galvanischer Isolator oder Trenntransformator eine Rolle spielen. Bei Metallrümpfen sollte die gesamte Erdungs-, Potentialausgleichs- und Korrosionsschutzanlage fachgerecht geplant werden.
  • Refit eines gewachsenen Bordnetzes: erst aufzeichnen, dann anfassen. Ein Bordnetz ohne Plan lässt sich nicht erneuern, sondern nur ersetzen. Die vorhandenen Kabelwege einmal sauber aufzunehmen kostet Zeit, spart beim späteren Umbau aber erheblich Arbeit.

Für alle Fälle gilt dieselbe Bedingung: Die Bilanz kommt vor dem Einkauf. Jede der fünf Konstellationen beginnt mit derselben Rechnung, und ohne sie ist jede Batteriegröße geraten.

Batterien, Ladegeräte und Wechselrichter ansehen

In Schritten erneuern statt alles auf einmal

Ein Bordnetz muss nicht in einer Wintersaison komplett neu entstehen. Sinnvoll ist eine Reihenfolge, in der jeder Schritt für sich schon etwas verbessert und keiner den nächsten blockiert.

Am Anfang steht die Bestandsaufnahme: Welche Leitung geht wohin, welcher Querschnitt liegt an, was ist wie abgesichert? Ein Blatt Papier mit der tatsächlichen Trasse ist bei alten Booten der wertvollste Gegenstand an Bord. Danach kommt die Sicherheit – Absicherung und Verteiler in Ordnung bringen, denn das ist der Teil, der im Fehlerfall zählt. Erst dann folgen Messtechnik, Ladequellen und zuletzt zusätzliche Verbraucher.

Wer die Reihenfolge umdreht und mit dem neuen Kühlschrank anfängt, baut ihn zweimal ein: einmal jetzt und einmal, wenn die Leitung dafür verlegt wird. Ein sauber ausgeführter Kabelweg mit ordentlichen Durchführungen ist unspektakulär und genau deshalb die Arbeit, die zwanzig Jahre hält.

Tipp aus der Praxis

Fotografieren Sie jeden Kabelweg, bevor Sie Verkleidungen wieder schließen. Beim nächsten Eingriff – und der kommt – ist ein Foto mehr wert als jede Erinnerung daran, wo die Leitung hinter dem Schapp entlanglief.

Fazit

Ein Bordnetz wird von hinten nach vorn geplant: Der Tagesverbrauch bestimmt die Batteriebank, die Bank bestimmt die Ladetechnik, und Strom, Leitungslänge und zulässiger Spannungsfall bestimmen den Kabelquerschnitt. Eine allgemeingültige Querschnittszahl gibt es nicht – entscheidend sind Stromkreis, Leitungslänge und die Vorgaben des angeschlossenen Geräts. Abgesichert wird in erster Linie die Leitung; die Hauptleitung erhält ihren Überstromschutz möglichst nah an der Stromquelle. Für die 230-Volt-Seite gelten eigene Regeln, und bei regelmäßigem Landstrom muss auch die galvanische Kopplung berücksichtigt werden. Wer ein gewachsenes Bordnetz erneuert, beginnt deshalb mit Bestandsaufnahme und Rechnung – nicht mit dem nächsten Verbraucher.

Häufige Fragen

Wie groß muss meine Batteriebank sein?+

Das ergibt sich aus drei Werten: dem Tagesverbrauch in Amperestunden, der Zahl der Tage ohne Nachladen und dem nutzbaren Anteil der Nennkapazität. Den Tagesverbrauch rechnen Sie selbst aus Leistung mal Betriebsdauer; den nutzbaren Anteil gibt der Batteriehersteller vor, und er unterscheidet sich zwischen Blei-, AGM-, Gel- und Lithium-Batterien erheblich. Rechnen Sie zusätzlich Wandlungs- und Systemverluste ein. Ohne diese Werte ist jede Bankgröße geraten.

Welchen Kabelquerschnitt brauche ich an Bord?+

Das hängt von Stromstärke, Leitungslänge und dem zulässigen Spannungsfall ab. philippi orientiert sich in seiner Katalogtabelle an einem Spannungsabfall von weniger als 10 Prozent; für sicherheitsrelevante oder besonders spannungskritische Stromkreise können strengere Anforderungen gelten. Victron empfiehlt als allgemeines Auslegungsziel höchstens 2,5 Prozent und kommt damit für dieselbe Strecke auf deutlich größere Querschnitte. Zusätzlich können die Installationsvorgaben des angeschlossenen Geräts einen größeren Querschnitt verlangen. Bei der Rechnung muss der gesamte Stromweg berücksichtigt werden – prüfen Sie, ob die Längenangabe einer Tabelle den Rückweg bereits enthält.

Wonach richtet sich die Größe der Sicherung?+

Die Absicherung muss so gewählt werden, dass die Leitung bei Überstrom geschützt ist und der normale Betriebsstrom des Verbrauchers einschließlich zulässiger Einschaltströme nicht zu Fehlauslösungen führt. Gibt der Gerätehersteller eine Sicherungsgröße oder eine maximal zulässige Absicherung vor, ist diese ebenfalls zu beachten. Größer als die Strombelastbarkeit der verwendeten Leitung darf die Sicherung nie sein. Die Hauptleitung von der Batterie zum Verteiler benötigt eine möglichst nahe an der Stromquelle angeordnete Überstromschutzeinrichtung.

Lohnt sich Solar auf dem Boot?+

Solar kann sich besonders lohnen, wenn regelmäßig längere Zeit ohne Landstrom verbracht wird. Entscheidend sind Tagesverbrauch, verfügbare Modulfläche, Verschattung und die zu erwartende Sonneneinstrahlung. Ein passend dimensionierter Laderegler muss außerdem zum Batteriesystem passen.

Brauche ich einen Trenntransformator oder einen galvanischen Isolator?+

Das hängt von der Anlage ab. Über den Schutzleiter des Landanschlusses kann das Boot galvanisch mit anderen geerdeten Metallteilen im Hafennetz gekoppelt werden; daraus können Korrosionsströme entstehen. Ein Trenntransformator sorgt für eine galvanische Trennung vom Landnetz. Ein galvanischer Isolator wird in den Schutzleiter eingeschleift und blockiert kleine galvanische Gleichspannungen, während die Schutzfunktion des Schutzleiters bei höheren Fehlerspannungen erhalten bleibt. Bei Dauerliegeplatz ist das Thema deutlich relevanter als bei wenigen Nächten im Jahr; bei Metallrümpfen gehört die gesamte Erdungs- und Korrosionsschutzanlage fachgerecht geplant.

Marcel Moice - Mitarbeiter von NV Chart Group GmbH, rundes Bild

Marcel Moise – Yachtelektronik, Bordtechnik und praktische Lösungen aus Erfahrung

Marcel Moise ist bei HanseNautic der Ansprechpartner für Yachtelektronik und technische Ausrüstung an Bord. Seit über 40 Jahren ist er in der Yachtausrüstung tätig, seit mehr als drei Jahrzehnten mit besonderem Schwerpunkt auf der technischen Ausstattung von Segel- und Motorbooten.

Entscheidend ist für ihn, dass Technik nicht nur auf dem Papier überzeugt, sondern im Bordalltag zuverlässig funktioniert. Deshalb berät Marcel nicht nur zu Kartenplottern, Instrumenten, Autopiloten, Funktechnik und weiterer Yachtelektronik, sondern baut technische Geräte und Ausrüstung auch direkt an Bord ein. Seine Empfehlungen sind dadurch besonders praxisnah und orientieren sich an dem, was auf dem Boot wirklich sinnvoll und zuverlässig nutzbar ist.

Auch privat ist Marcel regelmäßig auf dem Wasser unterwegs – vom Langzeittörn bis zur Mittwochsregatta. Von diesem klaren Blick für funktionierende Technik profitieren Fahrtensegler ebenso wie ambitionierte Regattasegler, die auf durchdachte Lösungen und fundierte Empfehlungen setzen.

Erfahren Sie mehr über Marcel in seinem Autoren-Profil direkt hier: Mehr über Marcel
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