Mit dem Boot aufs IJsselmeer: Revier, Regeln und die richtige Karte
Ratgeber Törnplanung
Ein Binnensee, der sich nicht wie einer verhält
Das IJsselmeer liegt hinter Deichen, hat keine Gezeiten und keinen Seeweg nach draußen, den man nicht durch eine Schleuse nimmt. Wer daraus schließt, hier sei es ruhiger als auf der Nordsee, hat den ersten Nachmittag mit vier Windstärken aus Nordwest noch vor sich.
Das Revier ist groß, flach und offen. Zwischen Enkhuizen und der friesischen Küste liegen viele Meilen ohne schützendes Ufer, und der Grund ist so nah, dass sich aus mäßigem Wind in kurzer Zeit eine steile, kurze Welle aufbaut. Bei passenden Bedingungen ist das Revier gleichzeitig gut für Tagestörns mit Kindern an Bord geeignet, die Häfen sind dicht gesät und die Wege kurz. Beides gehört zusammen: Das IJsselmeer ist ein einsteigerfreundliches Revier mit einer Eigenschaft, die man kennen muss.
Dazu kommt eine Besonderheit, die kein Kartenwerk und kein Törnführer auf dem Umschlag stehen hat: Rechtlich ist das Revier nicht ein Gewässer, sondern mehrere. Die niederländische Verordnung teilt das, was auf der Karte zusammengehört, in zwei Kategorien mit unterschiedlichen Anforderungen an den Schiffsführer. Wer führerscheinpflichtig fährt, wechselt auf einem Törn von den Randmeeren aufs Markermeer die Kategorie. Wer das wissen will, bevor er ablegt, springt direkt zu Führerschein und Fahrerlaubnis.
Kurz gefasst
Das Revier auf einen Blick
- Vier Gewässer, ein Name. IJsselmeer, Markermeer, IJmeer und die Randmeere hängen zusammen, unterscheiden sich aber in Größe, Wellenbild und Rechtsstellung.
- Flach und offen. Die amtliche Gebietsbeschreibung nennt das IJsselmeer ein „großes, ziemlich flaches Süßwassermeer". Flaches Wasser plus große freie Strecke ergibt kurze, steile Wellen.
- Führerschein erst ab 15 Metern — oder darunter, wenn das Boot mehr als 20 Kilometer pro Stunde läuft. Für viele typische Fahrtenboote unter 15 Metern greift damit keine Fahrerlaubnispflicht.
- Im betonnten Fahrwasser darf nicht geankert werden. Das gilt für IJsselmeer, Markermeer, Gouwzee und Randmeere gleichermaßen.
- Große Teile des Reviers sind Natura-2000-Gebiete — IJsselmeer, Markermeer mit IJmeer, die Veluwerandmeere sowie Eemmeer und Gooimeer.
Vier Gewässer, ein Name
Der Kartensatz heißt „IJsselmeer, Markermeer en Randmeeren", und das ist eine gute Zusammenfassung des Reviers. Von Norden nach Süden fällt es auseinander in vier Abschnitte, die sich unterschiedlich fahren, und es lohnt sich, sie beim Planen auseinanderzuhalten.
Das IJsselmeer selbst ist der große, offene Teil zwischen dem Abschlussdeich im Norden und der Houtribdijk. Hier liegen die längsten Schläge des Reviers, hier steht bei Wind die höchste Welle, und hier ist der Abstand zwischen zwei Häfen am größten. Das Markermeer südlich der Houtribdijk ist kleiner und im Süden stärker gegliedert, aber immer noch groß genug für eine ordentliche See. Das IJmeer schließt daran nach Amsterdam an. Die Randmeere schließlich sind ein Band schmaler Gewässer zwischen dem Festland und dem Polder Flevoland — geschützt, deutlich enger, und ihr Charakter ist eher der eines breiten Kanals als der eines Sees.
Eine Besonderheit verdient eine eigene Zeile, weil sie später bei der Fahrerlaubnis wieder auftaucht: Die Gouwzee, das flache Gewässer zwischen Marken und der Küste von Noord-Holland, wird in der niederländischen Verordnung ausdrücklich anders behandelt als das Markermeer, an dem sie liegt.
Flaches Wasser, kurze Welle
Die amtliche Gebietsbeschreibung des IJsselmeers nennt es ein „großes, ziemlich flaches Süßwassermeer, das großenteils von Deichen und Dämmen begrenzt ist", und hebt die Offenheit und Großflächigkeit des Gebiets ausdrücklich hervor. Genau diese Kombination bestimmt, wie sich das Revier bei Wind anfühlt.
Auf flachem Wasser verändert der geringe Abstand zum Grund die Ausbreitung der Wellen. Sie können kürzer und steiler werden — genau das macht den Seegang auf dem IJsselmeer bei kräftigem Wind so unangenehm. Für das Boot heißt das weniger Länge zwischen zwei Wellenbergen, mehr Stampfen und mehr Spritzwasser, und zwar bei einer Windstärke, die in einem tiefen Revier noch als angenehm gilt. Wer von dort kommt, unterschätzt das beim ersten Mal fast zwangsläufig: Die Zahl im Wetterbericht ist dieselbe, das Wasser antwortet anders.
Praktisch bedeutet das zwei Dinge. Erstens: Die Vorhersage gehört gelesen, bevor der lange Schlag über das offene IJsselmeer beginnt, nicht wenn man in der Mitte steht. Zweitens: Es gibt fast immer ein Ausweichprogramm, und es liegt in den Randmeeren oder in einer der geschützten Bucht- und Hafenlagen. Ein Törn, der das große Wasser bei zu viel Wind auslässt und die geschützte Variante fährt, ist kein abgebrochener Törn, sondern der geplante zweite Weg.
Tipp aus der Praxis
Bei sommerlichen Wetterlagen kann es sinnvoll sein, längere Schläge über das offene IJsselmeer früh am Tag zu beginnen. Entscheidend bleibt die konkrete Vorhersage: Windrichtung und Windstärke bestimmen auf dem flachen Revier wesentlich, wie unangenehm die Überfahrt wird. Und die kurze Welle baut sich schneller auf, als sie wieder abläuft — auch wenn der Wind schon nachgelassen hat, steht die See noch eine Weile.
Führerschein und Fahrerlaubnis: Die Grenze läuft mitten durch das Revier
Hier liegt der Punkt, an dem das Revier von der Alltagsvorstellung abweicht. Für deutsche Bootsfahrer ist das einer der wichtigsten Punkte des gesamten Beitrags.
Zuerst die gute Nachricht: Die meisten Boote brauchen überhaupt keine niederländische Fahrerlaubnis. Das niederländische Binnenvaartbesluit verlangt ein klein vaarbewijs für Sportboote mit einer Länge von mindestens 15 und weniger als 25 Metern sowie für Fahrzeuge unter 15 Metern, die mit eigener Maschinenkraft mehr als 20 Kilometer pro Stunde gegenüber dem Wasser erreichen können. Ein zwölf Meter langes Fahrtenboot mit Verdrängerfahrt fällt in keine dieser Gruppen.
Quelle: Artikel 16 Absatz 1 des Binnenvaartbesluit, gelesen am 07.09.2026.
Wer aber führerscheinpflichtig fährt, muss zwei Kategorien unterscheiden. Die Verordnung kennt das klein vaarbewijs für „Flüsse, Kanäle und Seen" und das klein vaarbewijs für „alle Binnengewässer". Welches gilt, entscheidet das Gewässer — und zwar über eine Liste, die man kennen muss: Das IJsselmeer, das IJmeer und das Markermeer gehören zu den „Gewässern maritimer Art", die Gouwzee ist davon ausdrücklich ausgenommen. Die Randmeere stehen nicht in dieser Liste.
Für das große Wasser gilt damit die weitere Kategorie, für die Randmeere und die Gouwzee die engere. Ein Törn von Elburg nach Enkhuizen wechselt unterwegs die Anforderung.
Quelle: Artikel 16 Absätze 2 bis 4 des Binnenvaartbesluit sowie Artikel 7.11 Absatz 2 der Binnenvaartregeling, gelesen am 07.09.2026.
Was der deutsche Sportbootführerschein hier wert ist
Die niederländische Verordnung führt eine Liste anerkannter ausländischer Befähigungsnachweise. Wer einen darin genannten Schein besitzt, ist von der Pflicht befreit, ein niederländisches Vaarbewijs zu haben. Für deutsche Dokumente ist die Einteilung dieser Liste bemerkenswert: Der Sportbootführerschein See steht in der Gruppe für alle Binnengewässer. Der Sportbootführerschein Binnen und das Sportschifferzeugnis stehen in der Gruppe für Flüsse, Kanäle und Seen.
Zusammen mit der Gebietseinteilung ergibt das eine Empfehlung, die den meisten neu ist: Wer führerscheinpflichtig auf dem offenen IJsselmeer oder dem Markermeer fährt, plant besser mit dem See-Schein als mit dem Binnen-Schein — auf einem Revier, das jeder für ein Binnengewässer hält. Für die Randmeere und die Gouwzee führt die Liste den Binnen-Schein.
Diese Zuordnung folgt aus dem Zusammenspiel zweier Vorschriften, nicht aus einem einzigen Satz. Die Gebietsangabe steht in der Überschrift der jeweiligen Liste; dass sie sich auf das klein vaarbewijs bezieht, folgt aus der Ermächtigung, die eine Anerkennung nur für eines der beiden Gebiete vorsieht. Wenn Sie führerscheinpflichtig fahren, lassen Sie sich die Anerkennung deshalb von der zuständigen niederländischen Stelle bestätigen, bevor Sie sich darauf verlassen.
Quelle: Anlage 7.1 Nummern 1.3 und 1.4 der Binnenvaartregeling in Verbindung mit Artikel 7.11 Absatz 1 sowie Artikel 17 Absatz 4 Buchstabe a des Binnenvaartbesluit, gelesen am 07.09.2026. Die Zuordnung der Gebietsangabe zum klein vaarbewijs folgt Artikel 7.10 der Binnenvaartregeling, der eine Anerkennung nur „für die Fahrt auf Flüssen, Kanälen und Seen oder für die Fahrt auf allen Binnengewässern" vorsieht.
Unser Tipp
Klären Sie vor dem Törn zwei Zahlen und ein Dokument: die Rumpflänge Ihres Bootes, seine erreichbare Geschwindigkeit und die Bezeichnung Ihres Führerscheins. Mit diesen drei Angaben ist die Frage in einer Minute beantwortet. Im Grenzfall — und besonders, wenn Sie ein Charterboot ab 15 Metern fahren — lassen Sie sich die Anerkennung von der zuständigen niederländischen Stelle bestätigen, statt sie aus dem Verordnungstext abzuleiten.
Verkehrsregeln, die auf diesem Revier zählen
Für die Fahrregeln gilt in den Niederlanden das Binnenvaartpolitiereglement. Es hat für das IJsselmeer kein eigenes Kapitel; es gelten die allgemeinen Regeln. Drei davon sind hier praktisch wichtiger als der Rest.
Der Begriff „kleines Schiff" ist enger gefasst, als man denkt. Die Verordnung zählt dazu Fahrzeuge mit einer Länge unter 20 Metern. Das ist eine andere Schwelle als die 15 Meter der Fahrerlaubnis — beide Zahlen stehen in verschiedenen Vorschriften und bedeuten Verschiedenes. Für die Fahrregeln ist Ihr Zwölf-Meter-Boot ein kleines Schiff und hat den großen gegenüber die schlechtere Position.
Der Begriff „schnelles Fahrzeug" meint nicht das schnelle Sportboot. Die Verordnung versteht darunter ein großes Motorschiff, das mehr als 40 Kilometer pro Stunde gegenüber dem Wasser laufen kann, und verpflichtet es, allen anderen Fahrzeugen Vorfahrt zu geben. Diese Regel arbeitet also für Sie, nicht gegen Sie — Ihr schnelles Zwölf-Meter-Boot fällt nicht darunter, sondern bleibt ein kleines Schiff.
Fähren haben Vorrang. Ein kleines Schiff muss einer abfahrenden, wendenden oder querenden Fähre Vorfahrt geben. Auf einem Revier mit regelmäßigem Fährverkehr zwischen den Ufern ist das die Regel, die am ehesten praktisch wird.
Und wo die Verordnung nichts Besonderes sagt, gilt gute Seemannschaft. Der Schiffsführer muss auch ohne ausdrückliche Vorschrift alle Vorsichtsmaßnahmen treffen, die nach guter Seemannschaft geboten sind, um Gefahr für Personen und Schäden zu vermeiden. Weil das IJsselmeer im Regelwerk kein eigenes Kapitel hat, ist dieser Grundsatz hier der eigentliche Maßstab.
Auf dem IJsselmeer selbst besteht keine allgemeine Sprechfunkpflicht. Es steht nicht in der Liste der Fahrwasser, für die die Verordnung Sprechfunk vorschreibt. Für einzelne Bauwerke oder anschließende Fahrwasser können jedoch andere Vorgaben gelten. Und unabhängig von der Pflicht bleibt das Funkgerät nützlich: für die Verständigung an den großen Schleusen, für Verkehrsinformationen und für den Notfall.
Quelle: Artikel 1.01 Buchstabe D Nummern 4 und 5, Artikel 1.04, Artikel 6.02, Artikel 6.23 Absatz 3 und Anlage 9 des Binnenvaartpolitiereglement, gelesen am 07.09.2026.
Ankern und Festmachen: Eine harte Grenze im Fahrwasser
Diese Regel wird auf dem IJsselmeer regelmäßig übersehen, weil das Revier so viel Platz zu haben scheint. Im betonnten Fahrwasser des IJsselmeers, des Markermeers, der Gouwzee und der Randmeere ist das Ankern und Festmachen verboten. Die Verordnung formuliert es als Verbot, Liegeplatz zu nehmen, und führt die betroffenen Fahrwasser in einer eigenen Anlage auf — die betonnten Fahrwasser dieser Gewässer stehen ausdrücklich darin.
Für die Praxis ist das weniger einschränkend, als es klingt, aber es verlangt eine bewusste Entscheidung: Der Ankerplatz liegt außerhalb der Tonnenstrecke, nicht in ihr. Auf einem flachen Revier ist das ohnehin die bessere Wahl — außerhalb des Fahrwassers steht man ruhiger und aus dem Weg der Berufsschifffahrt.
Quelle: Artikel 9.03 Absatz 1 des Binnenvaartpolitiereglement in Verbindung mit Anlage 14 Buchstabe a Nummern 29 und 30, gelesen am 07.09.2026.
Tipp aus der Praxis
Rechnen Sie den Ankerplatz auf einem flachen Revier großzügig: Bei geringer Wassertiefe ändert schon ein moderater Windwechsel die Lage des Bootes deutlich, und der Schwoiraum ist schneller aufgebraucht als in einer tiefen Bucht. Wie Kettenlänge, Grund und Schwoiraum zusammenhängen, steht ausführlich im Ratgeber zum Ankern.
Schutzgebiete: Große Teile des Reviers stehen unter Schutz
Das ist keine Randnotiz, sondern betrifft große Teile des Fahrgebiets: Das IJsselmeer, das Markermeer mit dem IJmeer, die Veluwerandmeere sowie Eemmeer und Gooimeer sind als Natura-2000-Gebiete ausgewiesen — jeweils sowohl nach der Vogelschutz- als auch nach der Habitatrichtlinie. Für das IJsselmeer und für Markermeer mit IJmeer sind es die Gebiete mit den Nummern 72 und 73. Wo genau die Gebietsgrenzen verlaufen, steht in den amtlichen Gebietsunterlagen und im aktuellen Kartenwerk.
Die amtliche Gebietsbeschreibung nennt auch den Grund, und er ist konkret genug, um im Bordalltag etwas zu bedeuten. Sehr große Zahlen von Wasservögeln nutzen das Gebiet zum Fressen und zur Mauser. Und zur Mauser steht dort ein Satz, der die ganze Rücksichtnahme erklärt: Der Freizeitdruck ist möglicherweise eine wesentliche Ursache dafür, dass große Mauserkonzentrationen zurückgegangen sind — weil die betroffenen Vögel während der Mauser nicht fliegen können und deshalb sehr störungsempfindlich sind.
Vögel, die während der Mauser nicht oder nur eingeschränkt fliegen können, können Störungen deutlich schlechter ausweichen. Das ist der Unterschied zwischen einer allgemeinen Bitte um Rücksicht und einem nachvollziehbaren Grund, in der Mauserzeit Abstand zu Vogelansammlungen zu halten, flache Randbereiche nicht zu durchfahren und Sandbänke nicht als Badeplatz zu benutzen. Welche Flächen zeitweise gesperrt sind, ändert sich; verlässlich steht es im aktuellen Kartenwerk und in der örtlichen Beschilderung.
Quelle: Gebietsbeschreibungen IJsselmeer (Gebiet 72) und Markermeer & IJmeer (Gebiet 73), natura2000.nl, abgerufen am 07.09.2026.
Etappen, Brücken und Schleusen
Die Törnplanung auf diesem Revier hat zwei Taktgeber, und keiner davon ist die Entfernung. Der erste ist der Wind, weil er entscheidet, ob der lange Schlag über das offene Wasser eine Freude oder eine Arbeit wird. Der zweite sind die Bauwerke: Wer in die Randmeere hinein oder aus ihnen heraus will, kommt an Brücken und Schleusen nicht vorbei.
Für viele Brücken und Schleusen gelten Bedienzeiten, die sich nach Saison und Wochentag unterscheiden können. Für ein Boot mit stehendem Mast ist die Etappe damit nicht so lang, wie die Karte aussieht, sondern so lang, wie die nächste Öffnung erlaubt. Wer ohne Mast fährt, muss stattdessen die Durchfahrtshöhe im Blick haben — sie ist die Größe, die über die Route entscheidet, nicht die Wassertiefe.
Praktisch heißt das: Die Etappe wird von hinten geplant. Erst steht das Ziel des Tages, dann die Bauwerke auf dem Weg dorthin, dann die Abfahrtszeit. Wer in der anderen Reihenfolge plant, wartet. Und weil sich Öffnungszeiten und Sperrungen ändern, gehören sie aus einer aktuellen Quelle geholt — aus dem Revierführer der laufenden Ausgabe oder der amtlichen Bekanntmachung, nicht aus der Erinnerung des Vorjahres.
Der zweite Planungsschritt ist die Rückfallebene. Auf einem Revier mit dicht gesäten Häfen ist das leichter als fast überall sonst: Zu jeder Etappe über das offene Wasser gibt es in der Regel eine kürzere Variante, die im Schutz bleibt. Diese Variante gehört vor dem Ablegen benannt — nicht als Notlösung, sondern als zweite geplante Route.
Tipp aus der Praxis
Notieren Sie sich für jede Etappe zwei Zahlen: die Durchfahrtshöhe des niedrigsten Bauwerks auf der Strecke und die letzte Brücken- oder Schleusenöffnung des Tages. Beide zusammen sagen Ihnen, ob die Etappe überhaupt in einen Tag passt — und sie sagen es Ihnen, bevor Sie unterwegs sind.
Karten und Revierführer: Was an Bord gehört
Das Revier verlangt zwei verschiedene Dinge von der Kartenausstattung, und sie ersetzen sich nicht gegenseitig.
Das eine ist die Karte für die Fahrt. Sie muss die Tonnenstrecken, die Tiefen und die Zufahrten zeigen, und sie sollte alle vier Abschnitte des Reviers abdecken. Ein Kartenwerk, das am Ende des Markermeers aufhört, wird genau dann lästig, wenn man beschließt, in die Randmeere auszuweichen — also bei zu viel Wind. Weil IJsselmeer, Markermeer und Randmeere zusammengehören, ist der Kartensatz, der sie zusammen führt, hier der naheliegende.
Das andere ist der Revierführer. Er beantwortet die Fragen, die keine Karte beantwortet: welcher Hafen bei welchem Wind gut liegt, wie die Einfahrt aussieht, wo es Platz für Gäste gibt und wie die Bauwerke bedient werden. Auf einem Revier, dessen Planung an Brücken und Schleusen hängt, ist das kein Beiwerk. Deutschsprachige Revierführer zum IJsselmeer und den nördlichen Provinzen gibt es ebenso wie die niederländischen Standardwerke, die die Bauwerke besonders ausführlich behandeln.
Und weil ein Bildschirm ausfallen kann und die Randmeere schmal sind: Die Papierkarte bleibt die Rückfallebene, auch auf einem Binnenrevier. Wie sich Planung an Land und Navigation an Bord sinnvoll aufteilen, steht im Beitrag zur Boating App und der Plotterkarte.
Welche Karte für welchen IJsselmeer-Törn?
Die Bausteine stehen oben — hier sind sie zusammengesetzt. Suchen Sie den Fall, der Ihrem geplanten Törn am nächsten kommt.
- Nur IJsselmeer und Markermeer, Standhafen im Revier: Ein Kartensatz für das Kernrevier. Er deckt die beiden großen Flächen samt Zufahrten ab. Das genügt, solange die Randmeere nicht dazukommen — und wer sie sich als Schlechtwetterweg offenhalten will, nimmt gleich den größeren Zuschnitt.
- IJsselmeer plus Randmeere, mehrwöchiger Törn: Der Kartensatz, der alle vier Abschnitte führt. Der naheliegende Fall auf diesem Revier, weil er den Ausweichweg mit abdeckt. Ein Kartenwerk, das am Ende des Markermeers aufhört, wird genau dann lästig, wenn der Wind zunimmt.
- Häfen, Brücken und Schleusen im Mittelpunkt: Dazu ein Revierführer. Er beantwortet, was keine Karte beantwortet — Einfahrten, Gästeplätze, Bedienung der Bauwerke. Auf einem Revier, dessen Etappen an Bedienzeiten hängen, ist das kein Beiwerk. Deutschsprachige Titel zum IJsselmeer und zu den nördlichen Provinzen stehen neben den niederländischen Standardwerken, die die Bauwerke besonders ausführlich behandeln — beides in den Törnführern für Binnenreviere.
- Planung am Rechner, Navigation am Plotter: Papier und digital zusammen. Digitale Karten ergänzen die Papierkarte je nach Kartensystem auf Kartenplotter, Tablet oder Smartphone. Welche Geräte unterstützt werden und ob eine Lizenz mehrere Plattformen umfasst, hängt vom jeweiligen Produkt ab. Die Papierkarte bleibt die Rückfallebene, wenn ein Bildschirm ausfällt — auf schmalen Randmeeren ist das kein theoretischer Fall.
- Charterboot, Revier zum ersten Mal: Karte selbst mitbringen, Führer sowieso. Was an Bord liegt, ist oft die Ausgabe des Vorjahres. Bedienzeiten und Sperrungen ändern sich — die aktuelle Ausgabe ist der Teil der Ausrüstung, der am wenigsten kostet und am meisten Zeit spart.
Für alle Fälle gilt dieselbe Bedingung: Der Kartenzuschnitt muss den Ausweichweg mit abdecken, nicht nur die geplante Route. Das ist auf diesem Revier keine Vorsichtsmaßnahme, sondern die halbe Törnplanung.
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Fazit
Das IJsselmeer ist ein zugängliches Revier mit kurzen Wegen, vielen Häfen und einer Eigenschaft, die man vorher wissen sollte: Flaches Wasser über große freie Strecken macht aus mäßigem Wind eine kurze, steile Welle. Wer die langen Schläge nach Wind und Vorhersage plant und für jede Etappe eine geschützte Alternative mitdenkt, kann das Revier sehr flexibel fahren. Rechtlich gehört zusammen, was auf der Karte einen Namen trägt, nur teilweise: IJsselmeer, IJmeer und Markermeer gelten als Gewässer maritimer Art, die Gouwzee und die Randmeere nicht — und wer dort führerscheinpflichtig fährt, plant deshalb besser mit dem Sportbootführerschein See als mit dem Binnen-Schein. Führerscheinpflichtig ist dabei ohnehin nur, wer ab 15 Metern fährt oder schneller als 20 Kilometer pro Stunde. Dazu kommen zwei Regeln, die auf allen vier Gewässern gelten: kein Ankern im betonnten Fahrwasser, und Rücksicht auf Vogelansammlungen in der Mauserzeit, weil die Tiere Störungen dann deutlich schlechter ausweichen können. Mit einem Kartenwerk, das alle vier Abschnitte abdeckt, und einem aktuellen Revierführer für die Bauwerke ist die navigatorische Vorbereitung gut aufgestellt.
Häufige Fragen
Brauche ich für das IJsselmeer einen Führerschein?+
Nur, wenn Ihr Boot mindestens 15 Meter lang ist — bei Sportbooten bis unter 25 Meter — oder wenn es unter 15 Metern mit eigener Maschinenkraft mehr als 20 Kilometer pro Stunde erreichen kann. Für viele typische Fahrtenboote unter 15 Metern gilt beides nicht. Trifft eine der beiden Bedingungen zu, verlangt die niederländische Verordnung für IJsselmeer, IJmeer und Markermeer die weitere der beiden Kategorien, also das klein vaarbewijs für alle Binnengewässer.
Gilt mein Sportbootführerschein Binnen auf dem IJsselmeer?+
In der niederländischen Liste anerkannter ausländischer Nachweise steht der Sportbootführerschein Binnen in der Gruppe für Flüsse, Kanäle und Seen — dort also, wo die Randmeere und die Gouwzee eingeordnet sind. Für IJsselmeer, IJmeer und Markermeer steht in der Gruppe für alle Binnengewässer der Sportbootführerschein See. Wenn Sie führerscheinpflichtig fahren und das große Wasser vorhaben, planen Sie deshalb besser mit dem See-Schein. Weil es hier um eine Auslegung des Verordnungstexts geht, lassen Sie sich das im Grenzfall von der zuständigen niederländischen Stelle bestätigen.
Ist das IJsselmeer ein Binnen- oder ein Küstenrevier?+
Geografisch ein Binnengewässer: Süßwasser, von Deichen begrenzt, ohne Gezeiten. Rechtlich zählt es zusammen mit IJmeer und Markermeer aber zu den „Gewässern maritimer Art" — mit der Folge, dass für die Fahrerlaubnis die weitere Kategorie gilt. Und seemännisch verhält es sich bei Wind eher wie ein Küstenrevier mit flachem Wasser als wie ein See. Alle drei Antworten sind richtig, sie beantworten nur verschiedene Fragen.
Darf ich auf dem IJsselmeer überall ankern?+
Nein. Im betonnten Fahrwasser des IJsselmeers, des Markermeers, der Gouwzee und der Randmeere ist das Ankern und Festmachen verboten. Außerhalb der Tonnenstrecken ist Ankern möglich, soweit nicht örtlich etwas anderes bekannt gemacht oder ausgeschildert ist — und weil große Teile des Reviers Natura-2000-Gebiet sind, gehören flache Randbereiche und Vogelansammlungen gemieden, besonders in der Mauserzeit.
Brauche ich ein Funkgerät?+
Auf dem IJsselmeer selbst besteht keine allgemeine Sprechfunkpflicht — es steht nicht in der Liste der Fahrwasser, für die die Verordnung Sprechfunk vorschreibt. Für einzelne Bauwerke oder anschließende Fahrwasser können andere Vorgaben gelten. Sinnvoll ist ein Funkgerät ohnehin — für die Verständigung an den großen Schleusen, für Verkehrsinformationen und für den Notfall. Wer ohne fährt, sollte wenigstens wissen, wie die Bauwerke auf seiner Route ohne Funk bedient werden.
Welche Karte deckt das ganze Revier ab?+
Sinnvoll ist ein Kartenwerk, das IJsselmeer, Markermeer und die Randmeere zusammen führt — dann bleibt der Ausweichweg in die geschützten Gewässer jederzeit offen, ohne die Karte zu wechseln. Dazu kommt ein Revierführer für Häfen, Einfahrten und die Bedienung der Brücken und Schleusen. Welche Ausgabe zu Ihrem geplanten Törn passt, gehen wir gern mit Ihnen durch.



