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Ionisches Meer: Revier, TEPAI-Abgabe und die richtige Karte


Das Ionische Meer gilt als zugängliches Revier — und der häufigste Fehler passiert vor dem Ablegen

Kurze Wege zwischen den Inseln, viele geschützte Ankerplätze und im Sommer häufig thermisch geprägter Wind: Das Ionische Meer ist das Revier, in das viele Crews ihren ersten Mittelmeertörn legen. Was dabei regelmäßig untergeht, ist keine Untiefe und kein Wetterphänomen, sondern eine Abgabe — sie gilt für Boote über sieben Meter Gesamtlänge und ist unabhängig von der Flagge zu zahlen.

Zwischen Korfu im Norden und Zakynthos im Süden liegt bereits eine Größenordnung von rund hundert Seemeilen, je nach Startpunkt und Route — und dazwischen reiht sich eine Inselgruppe, die für Wochentörns wie gemacht scheint: Die Distanzen sind kurz genug, dass eine Etappe nicht den ganzen Tag frisst, und die Inseln liegen so, dass fast immer eine geschützte Seite erreichbar ist. Das ist der Grund, warum sich so viele Charterbasen zwischen Korfu, Preveza und Lefkas finden.

Diese Zugänglichkeit verleitet allerdings dazu, die Vorbereitung auf die Routenplanung zu beschränken. Vier Punkte gehören davor: die Frage, wer in griechischen Gewässern welche Abgabe schuldet; die Regeln des Nationalparks im Süden des Reviers; die Einordnung des Windes, über den im Zusammenhang mit Griechenland fast immer geredet wird — der aber das Ionische Meer nicht prägt; und das Anlegen in den kleinen Häfen, das anders abläuft als in Nord- und Ostsee.

Dieser Ratgeber ordnet das Revier von Nord nach Süd, erklärt die Abgabe mit ihren Sätzen und Fundstellen und sagt am Ende, welches Kartenwerk zu welchem Törn passt. Wer direkt zur Kartenfrage will, springt zu Welche Karte zu welchem Törn passt.

Kurz gefasst

Das Wichtigste für die Törnplanung

  • Die TEPAI-Abgabe gilt für Boote über sieben Meter Gesamtlänge — für private wie gewerbliche, unabhängig von der Flagge. Sie wird für die Monate erhoben, in denen sich das Boot in griechischen Hoheitsgewässern befindet.
  • Der für die Ägäis typische Meltemi prägt das Ionische Meer nicht. Sommerliche Hochdrucklagen bringen hier einen thermisch geprägten Tagesgang mit deutlich schwächerem Wind.
  • Das Revier zerfällt in vier Abschnitte mit deutlich unterschiedlichem Charakter — wer das beim Zuschnitt der Woche berücksichtigt, fährt weniger Überführungsmeilen.
  • Im Süden liegt ein Nationalpark. Wer Zakynthos ansteuert, klärt die geltenden Regeln vorher bei der Parkverwaltung.
  • Für viele typische Wochentörns reicht ein passender Kartensatz; den größeren praktischen Gewinn bringt der Revierführer, weil das Revier von Buchten und kleinen Häfen lebt.

Von Korfu bis Zakynthos: Vier Abschnitte, ein Revier

Auf der Karte sieht das Ionische Meer nach einer durchgehenden Inselkette aus. Für die Törnplanung ist es hilfreicher, es in vier Abschnitte zu zerlegen, denn sie unterscheiden sich in Distanzen, Schutz und Infrastruktur deutlich — und die Wahl des Abschnitts entscheidet mehr über den Charakter der Woche als die Wahl der einzelnen Buchten.

Der Norden um Korfu ist der am besten erschlossene Teil. Korfu hat einen internationalen Flughafen, mehrere Charterbasen und eine Kanalverbindung zum griechischen Festland. Südlich davon liegen Paxos und Antipaxos, zwei kleine Inseln, die als erste Etappe gut erreichbar sind. Wer von Korfu aus startet und in einer Woche zurück sein muss, bleibt meist in diesem Bereich.

Die Mitte um Lefkas gilt vielen als das eigentliche Kernrevier. Zwischen Lefkas, Meganisi, Kalamos, Kastos und der gegenüberliegenden Festlandküste liegen die Wege so eng beieinander, dass mehrere Ziele an einem Tag erreichbar sind. Lefkas selbst ist über eine Kanalbrücke mit dem Festland verbunden und von Preveza aus schnell zu erreichen; die Dichte an Ankerbuchten und kleinen Hafenorten ist in diesem Abschnitt am höchsten.

Der Süden mit Kefalonia, Ithaka und Zakynthos hat die längeren Schläge. Die Inseln sind größer, die Abstände wachsen, und die Westseiten sind offen zur See hin. Dieser Abschnitt lohnt sich, wenn zwei Wochen zur Verfügung stehen oder wenn der Törn als Einwegstrecke geplant ist — in einer Woche ab Korfu wird er zur Überführung.

Der Golf von Patras und der Golf von Korinth schließen das Revier nach Osten ab. Wer weiter Richtung Athen will, fährt hier durch; für einen reinen Inseltörn ist der Abschnitt eine eigene Entscheidung und keine Verlängerung.

Nord
Korfu, Paxos, Antipaxos. Gut erschlossen, Flughafen und Charterbasen; kurze erste Etappen.
Mitte
Lefkas, Meganisi, Kalamos, Kastos, Festlandküste bei Preveza. Die kürzesten Wege und die höchste Dichte an Ankerbuchten.
Süd
Kefalonia, Ithaka, Zakynthos. Größere Inseln, längere Schläge, offene Westseiten. Im Süden liegt der Nationalpark.
Ost
Golf von Patras und Golf von Korinth. Durchgangsrevier Richtung Athen, keine Verlängerung eines Inseltörns.

Tipp aus der Praxis

Wählen Sie den Abschnitt vor der Basis, nicht umgekehrt. Wer eine Woche Zeit hat und die kurzen Wege sucht, startet in der Mitte des Reviers; wer von Korfu aus fährt, plant Paxos und die gegenüberliegende Festlandküste ein und lässt den Süden weg. Die Basis lässt sich meist noch wählen, die Entfernung zwischen Korfu und Zakynthos nicht.

Wind: Der Meltemi prägt die Ägäis, nicht das Ionische Meer

Wer sich zum ersten Mal mit Segeln in Griechenland beschäftigt, stößt sofort auf den Meltemi — den kräftigen Nordwind, der im Sommer über die Ägäis weht und dort ganze Törnpläne bestimmt. Für das Ionische Meer ist diese Information vor allem in einer Hinsicht nützlich: Der für die Ägäis typische Meltemi prägt dieses Revier nicht. Es liegt auf der Westseite des griechischen Festlands, und die Lage, die den Meltemi erzeugt, wirkt sich hier nicht in derselben Form aus.

Typisch für sommerliche Hochdrucklagen ist stattdessen ein thermisch geprägter Tagesgang: Vormittags bleibt es häufig schwachwindig, im Tagesverlauf frischt der Wind auf und kann am Nachmittag seine größte Stärke erreichen. Wie ausgeprägt dieses Muster ist, hängt von Großwetterlage, Insel und Küstenabschnitt ab.

Für die Etappenplanung bedeutet das: Wer früh startet, muss mit schwachem Wind und Motorstunden rechnen; wer später unterwegs ist, sollte den auffrischenden Nachmittagswind und die daraus entstehende Wirkung auf Ankerbuchten und Ansteuerungen berücksichtigen. Eine Bucht, die vormittags ruhig liegt, kann am Nachmittag Schwell hereinbekommen — und eine Hafeneinfahrt, die morgens unkompliziert ist, verlangt bei auffrischendem Wind mehr Vorbereitung.

Gleichzeitig gilt: Ein tagesgebundenes Windmuster ersetzt keine Wetterprognose. Durchziehende Störungen und herbstliche Lagen bringen auch hier kräftigen Wind, und die offenen Westseiten der großen Südinseln sind dann nichts, was man nebenbei fährt. Wie sich eine Windstärke in Wellenbild und Bordalltag übersetzt, steht ausführlich in unserem Ratgeber Windstärke an Bord: Beaufort, Knoten und was Sie tatsächlich sehen.

TEPAI: Die Abgabe, die viele Crews übersehen

Das ist der Punkt, an dem die Vorbereitung im Ionischen Meer am häufigsten unvollständig bleibt — und er hat nichts mit Navigation zu tun. Griechenland erhebt auf Freizeitboote in seinen Hoheitsgewässern eine eigene Abgabe, das Τέλος Πλοίων Αναψυχής και Ημερόπλοιων, kurz TEPAI.

Der entscheidende Satz steht bei der zuständigen Behörde, der griechischen Unabhängigen Behörde für Staatseinnahmen, und er ist kurz: Die Abgabe wird auf alle privaten und gewerblichen Freizeitboote in griechischen Hoheitsgewässern erhoben, über sieben Meter Gesamtlänge, unabhängig von ihrer Flagge. Es gibt also keine Ausnahme für ausländische Boote und keine für kurze Aufenthalte.

Die Höhe richtet sich nach der Länge und wird je Monat berechnet. Ein angefangener Monat zählt dabei voll: Wer am 11. August einläuft und am 28. August wieder ausläuft, zahlt den vollen Monatsbetrag für August.

über 7 bis 8 m
16 Euro je Monat
über 8 bis 10 m
25 Euro je Monat
über 10 bis 12 m
33 Euro je Monat
über 12 m
8 Euro je Meter Gesamtlänge und Monat — bei 12,01 m also 96,08 Euro.

Auf diese Sätze gibt es Ermäßigungen: zehn Prozent, wenn die Abgabe für das ganze Jahr im Voraus gezahlt wird, und zwanzig Prozent, wenn zusätzlich ein ganzjähriger Liegeplatz in Griechenland nachgewiesen wird. Die Ermäßigungen werden kumulativ berechnet.

Zu zahlen ist vor oder spätestens an dem Tag, an dem das Boot griechische Gewässer erreicht — nicht danach. Die Abwicklung erfolgt grundsätzlich elektronisch über die Anwendung e-TEPAI der Behörde. Daneben beschreibt die Behörde weitere Zahlungswege und Sonderfälle; wer nicht über e-TEPAI zahlt, sollte die aktuell geltenden Voraussetzungen dort prüfen.

Und nun der Teil, der für die meisten Leser dieses Beitrags der wichtigere ist: Wer chartert, zahlt die Abgabe in aller Regel nicht selbst. Bei gewerblich eingesetzten Freizeitbooten liegt die Zahlungspflicht beim Eigentümer oder Betreiber beziehungsweise dessen gesetzlichem Vertreter. Als Charterkunde sollten Sie bei der Übernahme trotzdem prüfen, ob der Nachweis für den betreffenden Zeitraum vorliegt — bei privaten Booten nennt die Behörde neben Eigentümer und Halter ausdrücklich auch den Nutzer.

Quelle: Τέλος Πλοίων Αναψυχής και Ημερόπλοιων (ΤΕΠΑΗ), Unabhängige Behörde für Staatseinnahmen (ΑΑΔΕ), mit dem amtlichen Informationsblatt in deutscher Sprache; Rechtsgrundlage ist Artikel 13 des Gesetzes 4211/2013 in der geltenden Fassung.

Für die Ausreise gibt es eine Besonderheit, die bares Geld wert sein kann: Nach Ablauf des bezahlten Monats darf das Boot die griechischen Hoheitsgewässer noch innerhalb der ersten drei Tage des Folgemonats verlassen, ohne für diesen Folgemonat erneut TEPAI zu schulden. Die Behörde nennt dafür selbst ein Beispiel: Wer am 19. Juni einläuft und am 3. August ausläuft, zahlt für Juni und Juli — nicht für August.

Hinweis

Wer den Aufenthalt bis zum Monatsende bezahlt hat und Griechenland innerhalb der ersten drei Tage des Folgemonats verlässt, braucht für diesen Folgemonat keine zusätzliche Zahlung. Bei einem Törn, der ohnehin um einen Monatswechsel herum liegt, lohnt es sich deshalb, das Ausreisedatum an dieser Grenze auszurichten — der Unterschied ist ein voller Monatsbetrag.

Der Nationalpark im Süden des Reviers

Vor der Südküste von Zakynthos liegt im Golf von Laganas ein Nationalpark, der zum Schutz der dort brütenden Meeresschildkröten eingerichtet wurde. Er betrifft den südlichen Abschluss des Reviers und damit jeden Törn, der bis Zakynthos geht.

Im Park gelten zonenabhängige Vorgaben für Befahren, Geschwindigkeit und Ankern. Welche Zonen das im Einzelnen sind und was dort jeweils gilt, entscheidet über die Ansteuerung des gesamten Südabschnitts.

Das ist kein bürokratischer Hinweis, sondern eine Frage der Planbarkeit: Ein Ankerplatz, an dem nicht geankert werden darf, taugt auch als Übernachtungsplan nichts — und in einem Schutzgebiet für nistende Tiere ist ein Verstoß für alle Beteiligten unangenehm. Wer Zakynthos ansteuert, klärt das im selben Arbeitsschritt wie die TEPAI-Zahlung, also vor der Anreise.

Stand der Angaben: September 2026. Für die Törnplanung sollten die aktuell geltenden Zonengrenzen sowie Befahrens-, Geschwindigkeits- und Ankerregeln unmittelbar vor dem Törn bei der zuständigen Parkverwaltung beziehungsweise der örtlichen Hafenbehörde geprüft werden.

Wann fahren? Die Saison im Ionischen Meer

Die Saison reicht im Ionischen Meer weiter als in vielen nördlicheren Revieren, und die Frage nach der besten Zeit lässt sich nicht mit einem Monat beantworten — sie hängt davon ab, was Ihnen wichtig ist.

Mai und Juni bringen mildere Temperaturen, längere Segeltage und weniger Betrieb in den Buchten. Das Wasser ist im Mai noch kühl, die Landschaft dagegen grün — für Crews, die segeln und nicht baden wollen, oft die angenehmste Zeit.

Juli und August sind die Hauptsaison mit den höchsten Temperaturen und dem meisten Verkehr. Ankerbuchten und kleine Hafenorte können dann deutlich voller sein, und wer einen festen Liegeplatz für den Abend möchte, sollte früher als sonst anlaufen.

September und Anfang Oktober verbinden häufig noch warmes Wasser mit geringerem Betrieb als in der Hochsaison. Gegen Ende Oktober nimmt die Wahrscheinlichkeit durchziehender Störungen zu, und die Charterbasen fahren ihren Betrieb herunter.

Für die Planung heißt das: Die Nebensaison ist hier eine ernsthafte Option, weil auch September und Anfang Oktober noch attraktive Bedingungen bieten können. Wer allerdings Ende Oktober fährt, plant Reservetage ein und prüft, bis wann die gewählte Basis besetzt ist.

Was eine Woche realistisch hergibt

Die häufigste Fehlplanung ist auch hier die zu große Runde: von Korfu bis Zakynthos und zurück, in sieben Tagen, mit festem Rückgabetermin. Hin und zurück kommen damit schnell rund zweihundert Seemeilen zusammen, und sie lassen sich fahren — nur bleibt dann vom Revier wenig übrig außer Überführungsetappen.

Zwei Zuschnitte funktionieren in einer Woche gut, und sie unterscheiden sich in dem, was sie bieten.

  • Ab Korfu nach Süden und zurück. Korfu, Paxos, Antipaxos und die gegenüberliegende Festlandküste. Die Etappen sind kurz, die Rückkehr ist auch bei einem verlorenen Tag gesichert, und die Basis ist mit Direktflügen gut erreichbar.
  • Ab Lefkas oder Preveza im Kernrevier. Meganisi, Kalamos, Kastos, die Buchten der Festlandküste und je nach Wetterlage Ithaka. Der Zuschnitt mit den kürzesten Wegen und der größten Auswahl an Zielen — hier lässt sich der Törnplan jeden Morgen neu entscheiden.
  • Zwei Wochen oder eine angebotene Einwegcharter: Der größere Bogen. Von Korfu bis Zakynthos in eine Richtung. Nur so kommt der Süden vor, ohne dass die Woche zur Überführung wird. Ob eine Einwegcharter möglich ist, hängt von Basis, Anbieter und Saison ab und gehört vor der Buchung geklärt.

Unabhängig vom Zuschnitt lohnt sich dieselbe Vorsichtsmaßnahme wie in jedem Charterrevier: einen Reservetag einplanen und die letzte Etappe kurz halten. Wer am Vorabend der Rückgabe noch dreißig Meilen vor sich hat, trifft Entscheidungen unter Zeitdruck — und Zeitdruck kann im Charterbetrieb zu vermeidbaren Risiken führen.

Unser Tipp

Planen Sie den Törn nicht als Kette von Zielen, sondern als Kette von Entscheidungspunkten. In einem Revier mit kurzen Wegen und gut verteilten Ankerbuchten lässt sich fast jeden Morgen neu entscheiden, wohin es geht — vorausgesetzt, die Alternativen sind vorher angesehen worden. Genau dafür ergänzt ein aktueller Revierführer die Seekarte besonders sinnvoll.

Anlegen und Ankern: Was in den kleinen Häfen auf Sie zukommt

Der Beitrag spricht immer wieder von kleinen Häfen und Ankerbuchten — und genau dort entscheidet sich, wie entspannt ein Törn in diesem Revier verläuft. Wer aus Nord- und Ostsee kommt, trifft hier auf ein Anlegeverfahren, das dort deutlich seltener vorkommt: das Festmachen mit eigenem Anker und Heckleinen zum Kai.

In vielen kleinen Häfen des Reviers wird mit dem Heck zum Kai festgemacht, gelegentlich auch mit dem Bug. Der eigene Anker geht dabei vom Bug aus voraus und hält das Boot von der Mole ab; zwei Achterleinen gehen an Land. Vorbereitete Muringleinen, wie man sie aus vielen Marinas kennt, sind in kleinen Orten nicht selbstverständlich — wo sie fehlen, ist das Ankermanöver Teil des Anlegens.

Daraus folgen drei Dinge für die Vorbereitung. Erstens braucht das Ankergeschirr genug Länge: Der Anker fällt in einigem Abstand vor der Mole, und die Kette muss bis zum Liegeplatz reichen und dabei noch ausreichend gesteckt sein. Zweitens gehört die Crew eingewiesen, bevor es zum ersten Mal ernst wird — Ankermanöver rückwärts mit Leinen an Land ist nichts, was sich bei Seitenwind im ersten Versuch nebenbei erklären lässt. Und drittens ist die Reihenfolge wichtiger als das Tempo: Erst den Platz ansehen, dann den Anker setzen, dann zurücksetzen.

Für die Ankerbuchten gilt eine ähnliche Besonderheit. In engen oder stark belegten Buchten kann ein frei schwojendes Boot viel Raum beanspruchen. Verbreitet ist deshalb auch die Landleine: Der Anker fällt in der Bucht, und eine Leine geht vom Heck an Land. Eine ausreichend lange Landleine und ein Dinghy, mit dem sie ausgebracht werden kann, gehören dafür an Bord.

Beim Ausbringen der Landleine sollten Vegetation und empfindliche Uferbereiche nicht beschädigt werden; vorhandene geeignete Befestigungspunkte sind einer improvisierten Befestigung an Bäumen oder Sträuchern vorzuziehen.

Wie Sie Ankergeschirr, Kettenlänge, Schwoiraum und Ankergrund einschätzen, erklären wir ausführlich im Ratgeber Richtig ankern.

Beides ist keine Schwierigkeit, sondern eine Technik — aber eine, die man besser vorher geübt hat als am ersten Abend vor Publikum. Wer damit keine Erfahrung hat, plant den ersten Hafenabend bewusst früh und in einem größeren Hafen mit Personal am Steg.

Tipp aus der Praxis

Klären Sie bei der Bootsübernahme drei Dinge, die später Zeit sparen: Wie lang ist die Ankerkette, und ist sie markiert? Gibt es eine ausreichend lange Landleine an Bord? Und ist das Dinghy so schnell einsatzbereit, dass es für eine Landleine tatsächlich benutzt wird? Die Antworten entscheiden mit darüber, welche Buchten später tatsächlich als Übernachtungsplatz infrage kommen.

Welche Karte zu welchem Törn passt

Das Ionische Meer ist ein Revier, in dem der Revierführer mindestens so wichtig ist wie die Karte. Die entscheidenden Informationen sind, wie eine Bucht bei welchem Wind liegt, wo der Grund hält und welcher kleine Hafen einen Liegeplatz für die Nacht bietet. Das steht nicht in der Seekarte.

Für viele typische Wochentörns lässt sich das Fahrtgebiet mit einem passenden Kartensatz abdecken. Wer den Törn über das eigentliche Inselrevier hinaus in den Golf von Patras oder den Golf von Korinth verlängert, muss die Abdeckung des gewählten Kartenwerks entsprechend erweitern.

  • Eine Woche im Kernrevier: Ein passender Kartensatz für die Ionischen Inseln. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob der geplante Törnraum vollständig abgedeckt ist und wie weit die Abdeckung nach Süden und Osten reicht.
  • Törn mit festem Schwerpunkt Nord oder Süd: Ergänzend das passende Detailblatt. Für die Ionischen Inseln gibt es Kartenblätter, die den nördlichen und den südlichen Teil getrennt abdecken — sinnvoll, wenn der Törn ohnehin in einem der beiden Abschnitte bleibt.
  • Ankerbuchten und kleine Häfen: Ein Revierführer, und zwar in aktueller Ausgabe. Angaben zu Liegeplätzen, Stegen und Versorgung können sich ändern und sind deshalb bei einem Revierführer besonders aktualitätsabhängig.
  • Golf von Patras und Korinth: Eigenes Blatt. Wer in die Golfe fährt, verlässt den Zuschnitt der Inselkarten.
  • Digitale Karten für die Planung an Land. Welche Kombination aus Plotter, App und Papierkarte an Bord sinnvoll ist, hängt von Boot, Fahrtgebiet und Arbeitsweise ab — eine allgemeingültige Rangfolge gibt es dabei nicht.

Für alle Varianten gilt dieselbe Bedingung: Die Ausgabe muss aktuell sein. Aktualität betrifft dabei nicht nur navigatorische Änderungen. Gerade Revierführer altern auch bei Stegen, Bojenfeldern, Liegeplätzen und Versorgungsmöglichkeiten in kleinen Hafenorten — also bei genau den Angaben, wegen derer man sie mitnimmt.

Seekarten Ionisches Meer ansehen

Ergänzend führen wir Törnführer und Hafenhandbücher für das Mittelmeer, darunter mehrere Titel, die sich ausschließlich mit den Ionischen Inseln und der griechischen Westküste befassen. In einem Revier, das von Buchten und kleinen Häfen lebt, ist das die Ergänzung mit dem größten praktischen Nutzen.

Wer die Etappen vorab am Bildschirm durchspielt, findet die passenden Produkte unter den digitalen Seekarten. An Bord entscheidet die Arbeitsweise der Crew, welche Kombination sich bewährt.

Fazit

Das Ionische Meer verdient seinen Ruf als zugängliches Revier: kurze Wege, viele geschützte Ankerplätze und im Sommer häufig thermisch geprägte Windverhältnisse. Der Meltemi, über den im Zusammenhang mit Griechenland am häufigsten gesprochen wird, prägt dieses Revier nicht.

Die Vorbereitung entscheidet sich deshalb weniger am Wetter als an vier anderen Punkten: der TEPAI-Abgabe, die für Boote über sieben Meter Gesamtlänge und unabhängig von der Flagge fällig wird, den Regeln des Nationalparks im Süden, einem Zuschnitt, der zur verfügbaren Zeit passt, und der Anlegetechnik in den kleinen Häfen. Wer diese Punkte vor dem Ablegen klärt, kann den Rest der Woche jeden Morgen neu entscheiden — und dafür eignet sich dieses Revier besonders gut.

Häufige Fragen zum Ionischen Meer

Muss ich TEPAI auch als Charterkunde zahlen?+

In aller Regel nicht selbst. Bei gewerblich eingesetzten Freizeitbooten liegt die Zahlungspflicht beim Eigentümer oder Betreiber beziehungsweise dessen gesetzlichem Vertreter. Als Charterkunde sollten Sie bei der Bootsübernahme trotzdem prüfen, ob der TEPAI-Nachweis für den betreffenden Zeitraum vorliegt.

Weht der Meltemi im Ionischen Meer?+

Der für die Ägäis typische Meltemi prägt das Ionische Meer nicht. Das Revier liegt auf der Westseite des griechischen Festlands. Typisch für sommerliche Hochdrucklagen ist hier ein thermisch geprägter Tagesgang: vormittags oft schwachwindig, im Tagesverlauf auffrischend, am Nachmittag am kräftigsten. Wie ausgeprägt das ist, hängt von Großwetterlage, Insel und Küstenabschnitt ab — und durchziehende Störungen bringen auch hier kräftigen Wind.

Welcher Abschnitt eignet sich für eine Woche?+

Entweder der Norden ab Korfu mit Paxos und der Festlandküste, oder das Kernrevier ab Lefkas beziehungsweise Preveza mit Meganisi, Kalamos und Kastos. Beide kommen mit kurzen Etappen aus. Der Süden mit Kefalonia, Ithaka und Zakynthos verlangt längere Schläge und passt besser in zwei Wochen oder in eine Einwegstrecke.

Wann ist die beste Zeit für einen Törn?+

Das hängt davon ab, was Ihnen wichtig ist. Mai und Juni bieten mildere Temperaturen und weniger Betrieb, Juli und August die höchsten Temperaturen und den meisten Verkehr, September und Anfang Oktober warmes Wasser bei nachlassendem Betrieb. Gegen Ende Oktober nehmen durchziehende Störungen zu, und die Charterbasen fahren ihren Betrieb herunter.

Was muss ich bei Zakynthos beachten?+

Vor der Südküste liegt im Golf von Laganas ein Nationalpark zum Schutz der Meeresschildkröten. Dort gelten zonenabhängige Vorgaben für Befahren, Geschwindigkeit und Ankern. Weil für die Törnplanung die aktuell geltenden Grenzen entscheidend sind, sollten Sie diese unmittelbar vor dem Törn bei der zuständigen Parkverwaltung oder der örtlichen Hafenbehörde prüfen.

Welchen Bootsführerschein brauche ich im Ionischen Meer?+

Für das Führen einer gecharterten Yacht wird in Griechenland ein anerkannter Befähigungsnachweis verlangt. Welcher Schein im Einzelfall genügt und welche weiteren Nachweise der Charterbetrieb verlangt — etwa zu einem zweiten Crewmitglied —, hängt von Boot, Anbieter und Behörde ab und ist bei der Buchung zu klären. Verlassen Sie sich dabei nicht auf Angaben aus zweiter Hand: Der Charterbetrieb weiß, was die örtliche Hafenbehörde bei der Ausklarierung sehen will.

Wie lege ich in den kleinen Häfen an?+

Meist mit dem Heck zum Kai, gelegentlich mit dem Bug. Der eigene Anker geht dabei vom Bug voraus und hält das Boot von der Mole ab, zwei Achterleinen gehen an Land. Vorbereitete Muringleinen gibt es in kleinen Orten nicht überall. Wichtig sind deshalb eine ausreichend lange, markierte Ankerkette und eine Crew, die das Manöver kennt, bevor es bei Seitenwind zum ersten Mal ernst wird.

Reicht ein Kartensatz für das ganze Revier?+

Für viele typische Wochentörns lässt sich das Fahrtgebiet mit einem passenden Kartensatz abdecken — entscheidend ist, wie weit dessen Abdeckung nach Süden und Osten reicht. Wer den Törn über das Inselrevier hinaus in den Golf von Patras oder den Golf von Korinth verlängert, muss die Abdeckung erweitern. Den größeren praktischen Gewinn bringt in diesem Revier ohnehin der Revierführer, weil die entscheidenden Informationen nicht in der Seekarte stehen.

Autor: Hasko Scheidt
Hasko Scheidt - Segler, rundes Bild

Hasko Scheidt – Kapitän, Navigator, Bastler und Törnplaner aus Leidenschaft

Hasko Scheidt ist seit vielen Jahren eng mit der Seefahrt verbunden. Nach seinem Kapitänspatent an der Seefahrtschule in Hamburg im Jahr 1972 verlagerte sich sein beruflicher Schwerpunkt in die Wassersportwirtschaft: Er gründete den NV Charts Verlag für Seekarten. Über viele Jahre prägte er zudem die NV Charts Hafenlotsen Handbücher mit seinem strukturierten Stil und seinem großen Fachwissen. Durch seine langjährige Zeit auf dem Wasser und seine Liebe zum Segeln kennt er die Anforderungen unterschiedlicher Reviere und Schiffe aus eigener Erfahrung. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der klassischen Navigation und der Törnplanung für längere Reisen. Dabei geht es ihm nicht nur um die richtige Route, sondern auch um Sicherheit, gute Vorbereitung und eine verlässliche Einschätzung der Bedingungen. Auch im Ruhestand ist Hasko Scheidt dem Segeln treu geblieben. Mit technischem Verständnis und handwerklichem Geschick unterstützt er bei Fragen rund um Ausrüstung, Pflege und Reparaturen an Bord. Seine Texte verbinden Erfahrung, Praxisnähe und klare Sprache – und bieten wertvolle Orientierung auf See.
Hier gelangen Sie zu unserer HanseNautic Autoren-Seite: HanseNautic Redaktion

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