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Nord-Ostsee-Kanal mit dem Sportboot: Regeln, Gebühren, Schleusen


98 Kilometer Abkürzung – und ein eigenes Regelwerk

Der Nord-Ostsee-Kanal erspart den Weg um Skagen und damit im Mittel 250 Seemeilen. Er ist die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt – und für ein Sportboot kein Revier wie jedes andere, sondern eine Strecke mit eigenen Vorschriften.

Rund 27.000 Schiffe passieren den Kanal im Jahr, dazu etwa 12.000 Sportboote. Wer zum ersten Mal hindurchfährt, stolpert selten über die Navigation – die ist einfach. Er stolpert über die Regeln: Wann darf ich überhaupt fahren? Was kostet das, und wo bezahle ich? Welches Licht an der Schleuse gilt mir? Und warum darf ich hier nicht segeln?

Dieser Ratgeber beantwortet diese Fragen der Reihe nach, mit den Fundstellen dazu. Wer direkt zur Planung möchte, springt zu Wie planen Sie Ihre Passage?

Kurz gefasst

Das Wichtigste für die Kanalpassage

  • Sportboote dürfen nur während der Tagfahrzeiten fahren und nicht bei verminderter Sicht. Die Zeiten wechseln alle zwei Wochen.
  • Segeln ist auf dem Kanal verboten. Auch Segelyachten fahren unter Maschine.
  • 12 km/h über Grund sind die Höchstgeschwindigkeit – für alle Fahrzeuge, seit dem 1. Juli 2023.
  • Die Befahrungsabgabe richtet sich nach der Länge und beginnt bei 12 Euro für die ganze Strecke. Bezahlt wird vor der Fahrt, am einfachsten online.
  • Für die Schleusung müssen Sie sich nicht anmelden. Wer im Wartebereich liegt, wird vom Schleusenmeister gesehen und eingeplant.
  • Ist ein UKW-Seefunkgerät an Bord, sind die zuständigen NOK-Kanäle während der Fahrt abzuhören – nicht nur einzuschalten.

Der Kanal in Zahlen

Der Nord-Ostsee-Kanal ist 98,637 Kilometer lang und verbindet Brunsbüttel an der Elbe mit Kiel-Holtenau an der Förde. Gezählt wird in Kanalkilometern von West nach Ost: Brunsbüttel liegt bei Kilometer 0, Kiel-Holtenau bei 98,5. In der internationalen Schifffahrt heißt er KIEL-CANAL.

  • Länge 98,637 km – rund 53 Seemeilen. Bei 12 km/h sind das gut acht Stunden reine Fahrzeit, ohne Schleusen und ohne Wartezeit in den Weichen.
  • 162 m breit an der Wasseroberfläche, 90 m an der Sohle, 11 m tief (jeweils außer der Oststrecke).
  • 12 Weichen. Auf der übrigen Strecke ist die Zahl der gleichzeitigen Begegnungen begrenzt – in den Ausweichstellen nicht.
  • 10 Brücken mit 42 m lichter Durchfahrtshöhe, 14 Fährstellen, 2 Tunnel in Rendsburg. Die Fähren queren den Kanal; beim Passieren ist mit Querströmung zu rechnen.
  • Rund 27.000 Schiffe im Jahr, dazu etwa 12.000 Sportboote.

Quelle: Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Nord-Ostsee-Kanal, Daten zur Wasserstraße.

Die Regeln, die nur für Sportboote gelten

Auf dem Kanal gilt die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung. Ihr § 51 trägt die Überschrift „Fahrregeln für Sportfahrzeuge" und enthält drei Vorschriften, die auf der Ostsee so nicht existieren. Eine vierte kommt aus dem Merkblatt der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung.

Erstens: nur bei Tag. Sportfahrzeuge dürfen den Kanal und seine Zufahrten „lediglich zur Durchfahrt, nur während der Tagfahrzeiten … und nicht bei verminderter Sicht" benutzen. Die Tagfahrzeiten sind kein fester Wert, sondern werden vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt bekanntgemacht und für jede Monatshälfte neu gefasst. Im Hochsommer reicht das Fenster von halb drei morgens bis zehn Uhr abends, Anfang Januar nur von halb acht bis fünf. Vor der Fahrt die aktuelle Tabelle im Merkblatt der WSV nachsehen – eine gedruckte Uhrzeit aus einem Ratgeber ist zwei Wochen später falsch.

Zweitens: Sie müssen es schaffen. Die Kanalfahrt ist so einzurichten, dass vor Ablauf der Tagfahrzeit eine für Sportfahrzeuge bestimmte Liegestelle erreicht werden kann. Wer zu spät startet, plant den Regelverstoß mit ein.

Drittens: Reines Segeln ist auf dem Kanal verboten. Das trifft Erstbefahrer regelmäßig unvorbereitet: Segelyachten fahren die Passage unter Maschine. Ein Sportfahrzeug mit Maschinenantrieb darf zusätzlich Segel setzen; dann gelten die entsprechenden Sichtzeichen für ein Maschinenfahrzeug unter Segel – im Vorschiff ein schwarzer Kegel mit der Spitze nach unten. Die Ausnahmen vom Segelverbot sind eng und liegen abseits der Durchfahrt. Wasserskilaufen, Wassermotorradfahren, Segelsurfen und Stand-Up-Paddling sind ebenfalls untersagt.

Zusätzlich gilt für Sportboote: keine Selbststeueranlage. Das steht nicht in der Verordnung, sondern im aktuellen Merkblatt der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung: Die Benutzung einer Selbststeueranlage ist auf dem NOK für Sportboote nicht erlaubt. Bei einer mehrstündigen Kanalpassage ist das spürbar – bei kleiner Crew deshalb rechtzeitig Rudergängerwechsel einplanen.

Dazu kommen die Regeln, die für alle gelten: Rechtsfahrgebot, ein durch Sichtzeichen angegebener Mindestabstand zum Ufer, und seit dem 1. Juli 2023 eine einheitliche Höchstgeschwindigkeit von 12 km/h (6,5 kn) über Grund, unabhängig von Verkehrsgruppe und Tiefgang. Schleppen darf ein Motorboot nur ein einziges Sportfahrzeug unter 15 Metern, und der Verband muss mindestens 9 km/h laufen.

Hinweis

Bei plötzlich aufziehendem Nebel gilt nicht „durchhalten bis zur nächsten Schleuse". Sportfahrzeuge dürfen dann in den Weichengebieten hinter den Dalben oder an geeigneten Liegestellen festmachen – und sollten das auch tun.

Quellen: § 51 SeeSchStrO und § 50 Abs. 2 SeeSchStrO · Merkblatt für Sportbootfahrende, WSV, Stand April 2026 · ELWIS, Nord-Ostsee-Kanal.

Was die Durchfahrt kostet

Für das Befahren des Kanals sind Befahrungsabgaben zu entrichten. Die Sätze stehen in der Anlage zur Befahrungsabgabenverordnung und richten sich bei Sportfahrzeugen allein nach der Länge – nicht nach Tiefgang, Motorleistung oder Zahl der Personen an Bord. Die Zahlungspflicht besteht auch dann, wenn Sie den Kanal nur teilweise befahren.

bis 10 m
12 Euro für die ganze Strecke, 7 Euro im Teilstreckenverkehr
über 10 bis 12 m
18 Euro / 8 Euro
über 12 bis 16 m
35 Euro / 18 Euro
über 16 bis 20 m
41 Euro / 21 Euro
über 20 m
43 Euro / 23 Euro, je weiterer angefangener Meter zusätzlich 1 Euro

Für eine Zwölf-Meter-Yacht beträgt die Befahrungsabgabe damit 18 Euro für die gesamte Strecke. Wer seinen ständigen Liegeplatz an der Obereider, am Audorfer See oder unmittelbar am Kanal hat, kann statt der Einzelabgabe eine Jahrespauschale beantragen – sie beginnt bei 35 Euro und setzt einen Fahrtausweis des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts voraus.

Bezahlt wird vor der Fahrt, nicht in der Schleusenkammer. Am einfachsten online im Webshop der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung. Daneben gibt es einen Kassenautomaten in Kiel an der Sportbootliegestelle westlich des Tiessenkais, die Schleusenmeisterin oder den Schleusenmeister an der Gieselauschleuse und – sporadisch, nur wenn besetzt – die Kasse an der Sportbootliegestelle Brunsbüttel. Das Aufsteigen über die Steigleitern der Schleusenmauern ist ausschließlich für Notfall- und Rettungszwecke erlaubt.

Gebühren laut der zum Stand August 2026 geltenden Befahrungsabgabenverordnung – vor der Passage die aktuellen Sätze prüfen. Quellen: NOKBefAbgV, Anlage 1 zu § 1 Absatz 1, Nummern 2 und 3 · § 3 NOKBefAbgV · Merkblatt für Sportbootfahrende, WSV.

Durch die Schleusen: Brunsbüttel und Kiel-Holtenau

Beide Schleusengruppen sind durchgehend in Betrieb. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Wer im ausgewiesenen Wartebereich liegt – in Brunsbüttel östlich, in Kiel-Holtenau nördlich der Zufahrtsgrenze –, wird vom Schleusenmeister gesehen und eingeplant. Kreisen Sie nicht vor den Zufahrten herum und queren Sie sie nicht: Das bringt Sie in die Wege der Berufsschifffahrt, die Sie leicht übersieht.

Die Berufsschifffahrt hat Vorrang. Sportboote kommen mit hinein, wenn noch Platz ist.

Aktueller Schleusenbetrieb – Stand August 2026

In der Hauptsaison gibt es in Brunsbüttel zusätzlich reine Sportbootschleusungen, morgens und nachmittags, sobald genügend Boote zusammengekommen sind. In Kiel werden Sportboote wegen des Neubaus der Kleinen Schleuse derzeit ausschließlich zusammen mit der Berufsschifffahrt durch die großen Kammern geschleust. Beides sind Betriebszustände, keine dauerhaften Regeln – vor der Passage die aktuellen Hinweise des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Nord-Ostsee-Kanal prüfen.

In der Kammer gilt: festmachen nur in den markierten Haltebereichen mit den Gummimatten, nicht in der Schleusenmitte, nicht an den Toren, nicht in den Tornischen. Nicht wenden. Abstand zu den großen Schiffen halten – der stärkste Sog entsteht auf Rumpfmitte, und er zieht eine Yacht an die Bordwand. Im Schleusenbereich sind Rauchen und offenes Licht verboten.

Auch beim Vorbeifahren an festgemachten Fahrzeugen ist mit Schraubenstrom zu rechnen. Auch längere Zeit nach dem Stoppen der Maschine kann noch erheblicher Schraubenstrom auftreten – wer dann dicht vorbeigeht, wird versetzt.

Lichtsignale: welches Licht Ihnen gilt

Die Schleusensignale sind mehrstufig und richten sich überwiegend an die Berufsschifffahrt: Rot bedeutet Einfahren verboten, Weiß über Rot kündigt die Freigabe an, grüne und weiß-grüne Kombinationen weisen Schiffe an die Mittel- oder Seitenmauer. Für Sportfahrzeuge gibt es ein eigenes Signal: ein unterbrochenes weißes Licht. Es bedeutet Einfahrt frei – und jedes andere Signalbild bedeutet für Sie Einfahrtsverbot.

Auf der Strecke steuert die Verkehrszentrale in Brunsbüttel den Verkehr über die Signale in den zwölf Weichen. Dahinter steckt ein System: Schiffe sind nach Länge, Breite, Tiefgang und Ladung in sechs Verkehrsgruppen eingeteilt. Begegnen sich zwei Fahrzeuge, werden ihre Gruppennummern addiert; die Summe darf je nach Kanalabschnitt 6, 7 oder 8 nicht überschreiten. Ist die Begegnung nicht zulässig, wartet ein Schiff in der Weiche.

Die für Sie wichtigsten Signalbilder an den Weichen:

  • Ein rotes Funkellicht – Einfahrt in das Weichengebiet verboten.
  • Drei unterbrochene rote Lichter übereinander – Ausfahrt aus der Weiche verboten für alle Fahrzeuge.
  • Ein unterbrochenes grünes Licht – Ausfahrt für alle Fahrzeuge frei.
  • Zwei feste rote Lichter nebeneinander – Weiterfahrt im Binnenhafen Brunsbüttel verboten.

Die übrigen Signalbilder sperren die Ausfahrt für bestimmte Verkehrsgruppen und betreffen Sportboote in der Praxis nicht.

Funk, AIS und Lotsenpflicht

Der Kanal ist in vier Funkbereiche geteilt. Ist ein UKW-Seefunkgerät an Bord, sind die jeweils zuständigen Kanäle während der Fahrt abzuhören – nicht nur eingeschaltet zu lassen. Auf Funkdisziplin wird geachtet; unnötige Sprüche belasten einen Verkehr, der ohnehin dicht ist.

  • UKW-Kanal 13 (Ruf: Kiel-Kanal I) – Schleusenbereich Brunsbüttel
  • UKW-Kanal 2 (Ruf: Kiel-Kanal II) – Strecke Brunsbüttel bis Breiholz
  • UKW-Kanal 3 (Ruf: Kiel-Kanal III) – Strecke Breiholz bis Kiel-Holtenau
  • UKW-Kanal 12 (Ruf: Kiel-Kanal IV) – Schleusenbereich Kiel-Holtenau

AIS ist für Sportboote über 20 Meter Länge Pflicht: Sie müssen während der Kanalpassage einen Transponder der Klasse A oder B betreiben. Wer keinen an Bord hat, kann bei Bedarf in den Eingangsschleusen einen mieten. Kleinere Boote sind von der Ausrüstungspflicht befreit. Hilfreich ist AIS auch unterhalb dieser Grenze: Viele AIS-aussendende Fahrzeuge lassen sich damit erkennen, bevor Sichtkontakt besteht – auf einer Strecke mit engen Biegungen und dichtem Berufsverkehr ist das viel wert. Ein leerer Bildschirm bedeutet trotzdem kein leeres Fahrwasser; die Verkehrslenkung läuft zusätzlich über die Verkehrszentrale und den Revierfunk.

Lotsenpflichtig sind Sportfahrzeuge mit einem Tiefgang über 3,1 Metern. Mehrrumpfboote zu Sportzwecken sind bis zu einer Gesamtbreite von 12,0 Metern und einer Gesamtlänge von 20,0 Metern von der Lotsannahmepflicht befreit.

Seekarte des Nord-Ostsee-Kanals mit Kanalkilometrierung, Weichen und Liegestellen
Die Kanalkilometer sind die Sprache der Strecke: Liegestellen, Weichen und Fährstellen werden danach angegeben. · NV Charts Seekarte Nord-Ostsee-Kanal

Liegestellen unterwegs

Sieben betriebliche Liegestellen stehen Sportfahrzeugen zur Verfügung. Sie sind keine Marinas, sondern Wartemöglichkeiten: Die Liegedauer ist in Brunsbüttel auf 72 Stunden, an allen übrigen auf 24 Stunden beschränkt, und sie stehen ausdrücklich nur für Übernachtung und Wartezeit in Verbindung mit einer Kanalpassage zur Verfügung.

km 1,8 · Brunsbüttel
Nordseite hinter dem Leitwerk. Bis 72 Stunden – die einzige Liegestelle mit längerer Frist.
km 20,7 · Weiche Dückerswisch
Wendestelle, Nordseite. Bis 24 Stunden. Maximaler Tiefgang 2,40 m.
km 40,5 · Vor der Gieselauschleuse
Bis 24 Stunden. Maximaler Tiefgang 2,40 m. Hier sitzt auch eine der Zahlstellen für die Befahrungsabgabe.
km 66 · Obereidersee mit Enge
Bis 24 Stunden.
km 67,5 und 70 · Borgstedter See
Zwei Einfahrten. Bis 24 Stunden.
km 85,4 · Flemhuder See
Sportboot-Reede. Bis 24 Stunden.
km 98,5 · Kiel-Holtenau
Östlich der Schleuse. Bis 24 Stunden.

Anlegen und Festmachen ist dagegen verboten an Sperrwerken, Strombauwerken, Leitwerken, Pegeln sowie festen und schwimmenden Schifffahrtszeichen, im Alten Vorhafen Brunsbüttel, an den Dalben in Kiel-Holtenau und an den Böschungen von Kanal und Gieselaukanal.

Wie planen Sie Ihre Passage?

Alle Bausteine stehen oben. Hier sind sie zu den Fällen zusammengesetzt, die in der Beratung am häufigsten vorkommen.

  • Yacht bis zwölf Meter, Sommerhalbjahr: an einem Tag durch. Bei rund acht Stunden reiner Fahrzeit und einem Tagfahrfenster von bis zu neunzehn Stunden bleibt Luft für Schleuse und Wartezeit. Früh in die erste Schleusung gehen, dann reicht es bequem.
  • Langsames Boot oder späte Jahreszeit: Zwischenstopp einplanen. Im Winterhalbjahr schrumpft das Fenster auf unter zehn Stunden. Dann ist die Passage in zwei Etappen mit Übernachtung an einer Liegestelle die ehrlichere Planung – und rechtlich die einzige zulässige, wenn es sonst nicht reicht.
  • Segelyacht: Maschine, Diesel und Kühlung vorher prüfen. Auf dem Kanal gibt es keinen Plan B unter Segeln. Eine ganztägige Passage mit vielen Stunden unter Maschine ist für manche Anlage einer der längsten Dauerläufe der Saison.
  • Boot über 20 Meter: AIS-Transponder klären. Klasse A oder B ist während der Passage Pflicht. Ein Leihgerät in der Eingangsschleuse ist die Rückfalllösung, keine Planung.
  • Liegeplatz am Kanal oder an der Obereider: Fahrtausweis beantragen. Damit entfallen die Beschränkung auf die Durchfahrt und die Einzelabgabe; stattdessen gilt eine Jahrespauschale.

Für jeden dieser Fälle gilt dieselbe Vorbereitung: aktuelle Tagfahrzeit nachsehen, Abgabe vorher bezahlen, Kanalkarte an Bord. Die Kanalkilometer sind die Sprache, in der auf dem NOK alles angegeben wird – Liegestellen, Weichen, Fährstellen.

Seekarten für den Nord-Ostsee-Kanal ansehen

Fazit

Die Kanalpassage ist navigatorisch vergleichsweise unkompliziert, organisatorisch aber anspruchsvoll. Wer die Tagfahrzeit kennt, die Abgabe vorher bezahlt hat, den Autopiloten aus lässt und weiß, dass das unterbrochene weiße Licht ihm gilt, fährt entspannt durch. Der häufigste Fehler ist nicht falsches Manövrieren, sondern ein zu später Start – und die Annahme, man könne die letzte Stunde noch unter Segeln absegeln.

Häufige Fragen

Was kostet der Nord-Ostsee-Kanal für ein Sportboot?+

Die Befahrungsabgabe richtet sich allein nach der Länge: 12 Euro bis 10 m, 18 Euro bis 12 m, 35 Euro bis 16 m, 41 Euro bis 20 m und 43 Euro darüber, je weiterem angefangenen Meter 1 Euro. Im Teilstreckenverkehr ist es etwa die Hälfte. Die Zahlungspflicht besteht auch bei teilweiser Befahrung. Bezahlt wird vor der Fahrt, am einfachsten online im Webshop der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung. Maßgeblich sind die Sätze der Befahrungsabgabenverordnung.

Darf ich auf dem Nord-Ostsee-Kanal segeln?+

Nein. § 51 der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung verbietet das Segeln auf dem Kanal. Die Ausnahmen liegen abseits der Durchfahrt – im Schleusenvorhafen Kiel-Holtenau und außerhalb des Fahrwassers auf einigen Seen. Segelyachten fahren die Strecke also unter Maschine. Ein Motorboot darf zusätzlich Segel setzen, muss dann aber im Vorschiff einen schwarzen Kegel mit der Spitze nach unten führen.

Wann darf ich als Sportboot in den Kanal einfahren?+

Nur während der Tagfahrzeiten und nicht bei verminderter Sicht. Die Tagfahrzeiten werden vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt bekanntgemacht und für jede Monatshälfte neu festgelegt – im Hochsommer von den frühen Morgenstunden bis in den späten Abend, im Januar nur etwa von halb acht bis fünf. Die gültige Tabelle steht im Merkblatt für Sportbootfahrende. Außerdem muss die Fahrt so geplant sein, dass vor Ablauf der Tagfahrzeit eine Liegestelle für Sportfahrzeuge erreichbar ist.

Muss ich mich für die Schleuse anmelden?+

Nein. Wer im ausgewiesenen Wartebereich liegt – in Brunsbüttel östlich, in Kiel-Holtenau nördlich der Zufahrtsgrenze –, wird vom Schleusenmeister gesehen und eingeplant. Einfahren dürfen Sie erst auf das unterbrochene weiße Licht; jedes andere Signal bedeutet Einfahrtsverbot. Bei dringenden Fragen erreichen Sie die Schleusenmeister telefonisch oder über die UKW-Kanäle 13 in Brunsbüttel und 12 in Kiel-Holtenau.

Wie lange dauert die Durchfahrt?+

Bei der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 12 km/h über Grund braucht man für die 98,637 Kilometer gut acht Stunden reine Fahrzeit. Dazu kommen zwei Schleusungen und mögliche Wartezeiten, wenn die Berufsschifffahrt Vorrang hat. Realistisch sollte man einen vollen Tag ansetzen. Die Wartezeitenanzeige des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts hilft dabei nicht weiter: Sie bezieht sich auf Fahrzeuge über 125 Meter Länge.

Jeppe Scheidt rundes Bild

Jeppe Scheidt – Nautiker, Navigationsexperte und Autor mit Weitblick

Jeppe Scheidt verbindet nautisches Fachwissen mit echter Erfahrung auf See. Durch sein Studium der Nautik in Flensburg und mehrere Jahre Berufspraxis in der Schifffahrt verfügt er über ein fundiertes Verständnis für Navigation, Seemannschaft, Wetterkunde und Technik an Bord.

Als einer der Geschäftsführer der NV Chart Group bringt Jeppe seine Expertise in Entwicklung, Beratung und Redaktion ein und verantwortet den Bereich Kartographie. Sein besonderer Schwerpunkt liegt auf sicherer Navigation – von klassischer Kartenarbeit über Törnplanung bis zu modernen Plottern und elektronischen Seekarten.

Auch privat ist Jeppe regelmäßig auf dem Wasser unterwegs – sowohl unter Segeln als auch mit dem Motorboot. Dadurch kennt er die praktischen Anforderungen an Bord aus unterschiedlichen Perspektiven und schreibt Ratgeber, die fachlich fundiert, klar verständlich und im Bordalltag nutzbar sind.

Erfahren Sie mehr über Jeppe in seinem Autoren-Profil direkt hier: Mehr über Jeppe
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