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Segelboot, Yacht, Boot, Küste, Blaue See

Törnplanung Mallorca: Reviere, Häfen, Wind und Ankerregeln


Mallorca gilt als einfaches Revier — und ist es auch, mit drei Einschränkungen

Kurze Etappen, dichte Hafeninfrastruktur, eine lange Saison: Mallorca ist eines der zugänglichsten Reviere des westlichen Mittelmeers. Was viele Crews überrascht, sind weniger die Bedingungen auf dem Wasser als drei Regeln, die bei der Törnplanung schnell übersehen werden — beim Ankern, bei der Ausrüstung und im Nationalpark vor der Südküste.

Wer die Insel zum ersten Mal umrundet oder eine Woche von Palma aus fährt, plant meist entlang der Buchten: morgens ablegen, mittags baden, abends in eine Marina oder vor Anker. Das funktioniert, und es ist der Grund, warum das Revier so beliebt ist. Die Wege sind kurz genug, dass ein Tag nicht zur Überführung wird, und lang genug, dass sich Segelsetzen lohnt.

Genau diese Leichtigkeit führt aber dazu, dass die Planung an anderer Stelle zu kurz kommt. Auf den Balearen gilt seit Jahren ein Landesdekret, das das Ankern über Seegraswiesen grundsätzlich verbietet — und die Wiesen liegen ausgerechnet dort, wo die Buchten am einladendsten sind. In spanischen Gewässern richtet sich die vorgeschriebene Sicherheitsausrüstung außerdem wesentlich nach der Fahrtzone — und welche Zone ein Boot befahren darf, hängt an seiner Entwurfskategorie und an dem, was tatsächlich an Bord ist. Und Cabrera, das naheliegendste Törnziel im Süden, ist ein Nationalpark mit eigenen Zugangsregeln.

Dieser Ratgeber ordnet das Revier nach seinen vier Küsten, erklärt die beiden Rechtsfragen mit Fundstelle und sagt am Ende, welches Kartenwerk zu welchem Törnabschnitt passt. Wer direkt zur Kartenfrage will, springt zu Welche Karte zu welchem Törnabschnitt passt.

Kurz gefasst

Das Wichtigste für die Törnplanung

  • Ankern über Posidonia ist verboten. Nicht eingeschränkt, nicht genehmigungspflichtig — grundsätzlich untersagt, und die Kette darf eine nahe Wiese ebenfalls nicht berühren.
  • Die Pflichtausrüstung folgt der Fahrtzone. Spanien kennt sieben Zonen; in den Zonen 1, 2 und 3 ist eine Rettungsinsel für alle Personen an Bord vorgeschrieben.
  • Für gewerblich eingesetzte Charterboote gelten die spanischen Ausrüstungsvorschriften unabhängig von der Flagge. Bei privat genutzten ausländischen Booten hängt die rechtliche Einordnung vom konkreten Anwendungsbereich der Vorschriften ab.
  • Die Küsten sind sehr verschieden. Wer den Törn nach Windrichtung plant statt nach Reihenfolge, spart sich die unangenehmen Etappen.
  • Cabrera ist Nationalpark. Zugang und Liegeplatz gehören vor dem Ablegen geklärt, nicht unterwegs.

Vier Küsten, vier verschiedene Törns

Mallorca wird gern als eine Runde geplant, und auf der Karte sieht das auch nach einer Runde aus. Tatsächlich sind es vier Reviere mit unterschiedlichem Charakter, und die Unterschiede sind größer als die Entfernungen vermuten lassen. Wer sie kennt, legt die Etappen nach Wetterlage statt nach Uhrzeigersinn.

Die Nordwestküste ist der anspruchsvollste Teil. Die Serra de Tramuntana fällt hier steil ins Wasser, und die Küste ist wenig gegliedert. Wie dünn die Versorgung mit Häfen dort ist, lässt sich an der amtlichen Liste ablesen: Von den zehn Häfen, die die balearische Hafenverwaltung auf Mallorca direkt betreibt, liegt zwischen Andratx und der Nordspitze nur einer — Port de Sóller. Bei auflandigem Wind ist das eine Strecke, die in die Planung gehört und nicht in die Improvisation.

Die Nordostecke mit ihren großen Buchten ist anders angelegt: weit geöffnet, mit Häfen in Pollença und Alcúdia und reichlich Platz zum Ankern. Für den Einstieg in das Revier bietet der Nordosten viele gut erschlossene Möglichkeiten.

Die Ostküste lebt von den kleinen Einschnitten — schmale, tief eingeschnittene Buchten, die im Sommer gut besucht sind. Sie sind der Grund, warum viele überhaupt hierherkommen, und sie sind zugleich die Stellen, an denen die Ankerfrage aus dem nächsten Abschnitt praktisch wird.

Die Südküste zwischen Palma und dem Südostzipfel ist die logistische Basis des Reviers. Palma ist einer der beiden Häfen der staatlichen Hafenbehörde auf Mallorca, hier liegen die meisten Charterbasen, und von der Südküste aus ist Cabrera in Reichweite.

Die folgende Übersicht ordnet die Häfen den Bereichen zu. Aufgeführt sind die Häfen der beiden öffentlichen Verwaltungen — Palma und Alcúdia gehören zur staatlichen Hafenbehörde, die übrigen werden von der Landesverwaltung direkt betrieben. Dazu kommen zahlreiche Yachthäfen und Clubs, die dort nicht mitgezählt sind; die Liste ist also eine Orientierung, kein vollständiges Verzeichnis der Liegemöglichkeiten.

Bucht von Palma
Palma. Charterbasen und Versorgung; für viele Törns Start- und Zielpunkt.
Südwest
Andratx. Westlicher Eckpunkt und Übergang zur Tramuntana-Küste.
Nordwest
Port de Sóller. Der einzige Hafen der Landesverwaltung an dieser Küste — entsprechend wichtig für die Etappenplanung.
Nord
Pollença und Alcúdia. Große Buchten, gut erschlossen; für einen entspannten Einstieg in das Revier geeignet.
Ost
Cala Rajada, Cala Bona, Porto Cristo, Portocolom. Zwischenstopps zwischen den Buchten.
Südost
Portopetro, Cala Figuera, Colònia de Sant Jordi. Ausgangspunkte Richtung Cabrera.

Quelle: Hafenverzeichnisse von Ports de les Illes Balears und der Autoritat Portuària de Balears, abgerufen im September 2026.

Tipp aus der Praxis

Legen Sie den Törn nicht als feste Runde an, sondern als zwei Halbrunden mit einem Umkehrpunkt. Wer sich die Freiheit lässt, die Nordwestküste je nach Wetterlage in der einen oder der anderen Richtung zu fahren — oder ganz auszulassen —, muss keine Etappe erzwingen. Das ist bei einer Charterwoche mit festem Rückgabetermin der Unterschied zwischen entspannt und knapp.

Wind: Richtung, Küstenverlauf und Tagesverlauf zusammen lesen

Im Sommer prägen neben der großräumigen Wetterlage häufig lokale thermische Effekte den Tagesgang. An sonnigen Tagen kann sich an einzelnen Küstenabschnitten im Tagesverlauf Seewind entwickeln und am Nachmittag zunehmen — verlässlich ist das aber weder in der Stärke noch im Zeitpunkt, und es tritt nicht an jedem Abschnitt gleich auf.

Für die Etappenplanung reicht es deshalb nicht, nur auf die vorhergesagte Windstärke zu schauen. Entscheidend sind drei Größen zusammen: die Windrichtung, der Verlauf der Küste, an der Sie fahren, und die erwartete Entwicklung über den Tag. Eine Insel mit einer Steilküste auf der einen und offenen Buchten auf der anderen Seite bietet bei jeder Richtung eine geschützte und eine ungeschützte Hälfte — welche das ist, entscheidet die Prognose am Morgen, nicht die Reihenfolge im Törnplan.

Dasselbe gilt für den Ankerplatz. Eine Bucht, die mittags in der Abdeckung liegt, kann es am Abend nicht mehr sein, wenn sich die Richtung dreht oder ein thermischer Anteil dazukommt. Wer vor Anker übernachten will, prüft den Platz gegen die erwartete Abendlage und hält eine Alternative bereit.

Wie sich eine Windstärke in Wellenbild und Bordalltag übersetzt, steht ausführlich in unserem Ratgeber zur Beaufort-Skala. Für die Törnplanung im Revier gilt die einfachere Regel: erst die Richtung, dann die Entwicklung über den Tag, dann die Stärke — und danach die Etappe.

Ankern über Posidonia: Die Regel, die den Törnplan ändert

Posidonia oceanica ist eine im Mittelmeer heimische Seegrasart, die um die Balearen ausgedehnte Wiesen bildet — nach Angaben der balearischen Landesregierung auf mehr als 650 Quadratkilometern. Sie wächst sehr langsam, steht überwiegend zwischen null und fünfunddreißig Metern Wassertiefe und ist damit genau dort zu Hause, wo ein Sportboot ankert.

Deshalb gibt es seit 2018 ein eigenes Dekret der Balearen, und dessen zentrale Aussage ist kürzer, als die meisten erwarten: Das Ankern von Wasserfahrzeugen über Posidonia oceanica ist grundsätzlich verboten. Das ist keine Genehmigungspflicht und keine Einschränkung auf bestimmte Zonen, sondern ein Verbot mit eng gefassten Ausnahmen.

Drei Punkte daraus sind für die Praxis entscheidend. Erstens gilt das Verbot auch für die Kette: Liegt eine Wiese in der Nähe, darf weder der Anker noch ein anderes Element des Ankergeschirrs sie berühren. Ein Anker, der sauber im Sandfleck sitzt, während die Kette über die Wiese schleift, erfüllt die Regel nicht. Zweitens gibt es dort, wo Bojenfelder eingerichtet sind, keine Wahl: In diesen Bereichen muss die Boje benutzt werden, ein direktes Ankern über der Wiese bleibt auch dort untersagt. Und drittens dürfen auf Wiesen, die als besonders hochwertig eingestuft sind, überhaupt keine Bojenfelder oder Einzelbojen eingerichtet werden — das allgemeine Ankerverbot gilt dort ohnehin weiter.

Ausnahmen nennt das Dekret nur für höhere Gewalt und für Gefahr für Leben oder Schiffssicherheit sowie für genehmigte wissenschaftliche Arbeiten. Gerät ein Boot in eine Situation, in der Leben oder Schiffssicherheit gefährdet sind, sieht das Dekret also eine Ausnahme vor. Eine bequeme Ankerplatzwahl rechtfertigt das Ankern über Posidonia dagegen nicht.

Welche Bucht konkret betroffen ist, steht nicht im Dekret selbst. Es sieht vor, dass die Wiesen amtlich kartiert und in zwei Stufen eingeteilt werden, und diese Kartierung wird gesondert beschlossen. Für die Törnplanung heißt das: Die Regel ist eindeutig, die Fläche muss man vor Ort oder anhand der amtlichen Kartierung bestimmen.

Zu den Rechtsfolgen verweist das Dekret auf das spanische Naturschutzgesetz und das balearische Umweltgesetz. Verstöße können danach mit Bußgeldern geahndet werden; deren Höhe hängt von der Einstufung des konkreten Verstoßes ab, und die trifft die zuständige Behörde.

Quelle: Decreto 25/2018, de 27 de julio, sobre la conservación de la Posidonia oceanica en las Illes Balears (BOIB), insbesondere Artikel 3, 7 und 13.

Unser Tipp

Sandflecken erkennt man von Deck aus an der helleren, gleichmäßigen Farbe; Seegras steht dunkel und unruhig. Bei klarem Wasser reicht ein Blick vom Bug, bei Gegenlicht hilft eine Polarisationsbrille. Und weil der Schwoikreis mitzählt: Der Platz muss so gewählt sein, dass auch die Kette bei gedrehtem Boot im Sand bleibt — nicht nur der Anker beim Fallen.

Cabrera: Der Nationalpark vor der Südküste

Südlich von Mallorca liegt der Archipel von Cabrera, ein See- und Landnationalpark und das naheliegendste Ausflugsziel für einen Törn ab Palma oder aus dem Südosten. Er ist zugleich der Ort im Revier, an dem sich die Planung nicht improvisieren lässt.

Dass der Schutz dort weiter reicht als anderswo, zeigt schon das Posidonia-Dekret: Es nennt den Nationalpark als das Gebiet, in dem die Seegraswiesen bis in Tiefen von rund dreiundvierzig Metern reichen — anderswo um die Balearen enden sie deutlich flacher. Ein Gebiet mit dieser Ausdehnung an geschütztem Bewuchs verträgt keine freie Ankerwahl.

Zugang, Liegeplätze und Aufenthaltsdauer sind eigens geregelt und werden von der Parkverwaltung vergeben. Nach deren Angaben gilt für Sportboote:

  • Für das Befahren des Nationalparks ist eine Navigationsgenehmigung erforderlich. Sie ist die Grundlage für alles Weitere.
  • Wer über Nacht bleiben will, braucht zusätzlich eine Reservierung für einen Bojenplatz. Frei ankern ist keine Option.
  • Die zulässige Aufenthaltsdauer hängt von der Jahreszeit ab und liegt je nach Saison zwischen einer und mehreren Nächten.
  • Für Tagesbesuche gibt es ausgewiesene Tagesbojen, die Booten bis maximal 15 Meter Länge mit Navigationsgenehmigung offenstehen.

Für die Törnplanung heißt das: Genehmigung und Bojenplatz gehören in die Vorbereitung, nicht in die Überfahrt. Ein Tag Cabrera lässt sich einplanen, eine Nacht dort nur mit Reservierung — und beides sollte stehen, bevor die Woche verplant ist. Die aktuellen Bedingungen, Kontingente und Fristen nennt die Parkverwaltung; sie ändern sich saisonal und gehören vor dem Törn abgefragt.

Grundlage dieses Abschnitts: Angaben der Verwaltung des Nationalparks Cabrera, Stand September 2026. Die genauen Bedingungen bitte vor dem Törn dort bestätigen lassen.

Ausrüstung: In Spanien ist die Fahrtzone entscheidend

Die zweite Regel, die Crews regelmäßig übersehen, betrifft die Sicherheitsausrüstung. In Deutschland ist man es gewohnt, sie nach Vernunft und Fahrtgebiet zusammenzustellen. Spanien schreibt sie vor — und zwar gestaffelt nach einer festgelegten Fahrtzone.

Zuerst die Frage, wen die Verordnung überhaupt erfasst, denn sie wird oft zu grob beantwortet. Der Anwendungsbereich nennt drei Fälle: Sportboote, die in Spanien registriert sind; Boote, die in spanischen Gewässern gewerblich eingesetzt werden — ausdrücklich unabhängig von der Flagge; und Boote in spanischen Binnen- und Hoheitsgewässern, deren Eigentümer oder Nutzer den Wohnsitz in Spanien hat.

Für eine Charteryacht auf Mallorca heißt das: Die spanischen Ausrüstungsvorschriften gelten, auch wenn die Yacht eine andere Flagge führt — der gewerbliche Einsatz genügt. Bei einem privat genutzten ausländischen Boot hängt die Einordnung dagegen davon ab, ob einer der drei Fälle vorliegt; pauschal lässt sich das nicht beantworten. Wer mit dem eigenen Boot nach Mallorca fährt und es genau wissen will, klärt das vorab — von den Vorschriften des eigenen Flaggenstaats befreit einen das ohnehin nicht.

Die Fahrtzonen selbst sind nach dem Abstand zur Küste beziehungsweise zu einem Schutzort definiert. Welche Fahrtzone ein Boot befahren darf, hängt aber nicht am Abstand allein: Maßgeblich sind die CE-Entwurfskategorie beziehungsweise — bei Booten ohne CE-Kennzeichnung — eine zugewiesene Fahrtzone, und in beiden Fällen die an Bord vorhandene Sicherheitsausrüstung. Die Verordnung ordnet der Entwurfskategorie A die Zonen 1 bis 7 zu, der Kategorie B die Zonen 2 bis 7, der Kategorie C die Zonen 4 bis 7 und der Kategorie D die Zone 7.

Für die Törnplanung ist deshalb nicht nur der Abstand zur Küste entscheidend. Bei einer Charteryacht sollte bereits bei der Übernahme geklärt werden, für welche Fahrtzonen das Boot ausgerüstet und zugelassen ist — das begrenzt, wie weit Sie fahren dürfen, unabhängig davon, was die Wettervorhersage hergibt. Die Verordnung sagt außerdem ausdrücklich, dass ein Sportboot nicht bei Wellen und Wind über seiner Auslegung fahren soll.

Zone 1
Unbeschränkte Fahrt.
Zone 2
Bis 60 Seemeilen von der Küste.
Zone 3
Bis 25 Seemeilen von der Küste. In den Zonen 1, 2 und 3 ist eine Rettungsinsel vorgeschrieben.
Zone 4
Bis 12 Seemeilen von der Küste.
Zone 5
Bis 5 Seemeilen von einem Schutzort oder zugänglichen Strand.
Zone 6
Bis 2 Seemeilen von einem Schutzort oder zugänglichen Strand.
Zone 7
Geschützte Küstengewässer, Häfen, Buchten und Reeden.

Aus der Zone folgt die Ausrüstung. Für die Rettungsinsel ist die Schwelle klar benannt: In den Fahrtzonen 1, 2 und 3 muss eine oder müssen mehrere Inseln mit Kapazität für alle Personen an Bord mitgeführt werden — also in den drei Zonen mit dem größten zulässigen Küstenabstand. Zugelassen sind Inseln nach ISO 9650 oder gleichwertigen Normen, sofern sie von der spanischen Schifffahrtsbehörde anerkannt sind. Und für gewerblich eingesetzte Boote gilt eine feste Obergrenze für das Wartungsintervall von vierundzwanzig Monaten — ein Punkt, den man sich bei der Übernahme eines Charterbootes zeigen lassen kann.

Bei den Rettungswesten verlangt die Verordnung mindestens eine Weste je Person an Bord, jeweils mit Rettungswestenlicht. Nur wer in den Zonen 4 bis 7 ausschließlich tagsüber fährt, darf auf das Licht verzichten; in Zone 1 kommt eine zusätzliche Weste dazu. Für Kinder und Kleinkinder sind Westen passend zu Gewicht und Größe vorzuhalten — die Erwachsenenweste zählt hier ausdrücklich nicht mit.

Dazu kommt eine Verantwortungsregel, die im selben Text steht und die man kennen sollte, weil sie den Rest einordnet: Eigner beziehungsweise Schiffsführer sind dafür verantwortlich, dass Boot und Ausrüstung dem Stand der Vorschrift entsprechen, dass das Boot seeklar ist und dass die zugelassene Personenzahl nicht überschritten wird. Die Ausrüstungsliste ist also kein Selbstzweck, sondern die Untergrenze dessen, was der Verantwortliche ohnehin sicherstellen muss.

Quelle: Real Decreto 339/2021, de 18 de mayo, por el que se regula el equipo de seguridad y de prevención de la contaminación de las embarcaciones de recreo (BOE), Artikel 2, 3, 4, 6 und 7.

Hinweis

Bei der Bootsübernahme lohnt eine Frage, die selten gestellt wird: Für welche Fahrtzonen ist dieses Boot ausgerüstet und zugelassen? Die Antwort ergibt sich aus der Entwurfskategorie beziehungsweise der zugewiesenen Zone und aus dem, was tatsächlich an Bord ist. Wer eine Überfahrt plant, klärt das vor der Buchung — am Steg ist es zu spät, wenn die Rettungsinsel fehlt.

Törnplanung: Was eine Woche realistisch hergibt

Die häufigste Fehlplanung im Revier ist die vollständige Inselumrundung in sieben Tagen mit fester Rückgabe. Sie geht auf — solange das Wetter mitspielt. Fällt ein Tag aus, weil die Nordwestküste bei auflandigem Wind keine gute Idee ist, steht die Crew unter Zeitdruck — und genau dieser Zeitdruck kann im Charterbetrieb zu unnötigen Risiken führen.

Die tragfähigere Planung arbeitet mit einem Umkehrpunkt statt mit einer Runde. Man legt sich fest, wie weit man in eine Richtung fährt, und behält die Möglichkeit, auf demselben Weg zurückzukommen. Der Törn verliert dadurch nichts — die Buchten sind bei Gegenwind andere als bei Mitwind, und die zweite Etappe durch dasselbe Gebiet fühlt sich selten wie eine Wiederholung an.

Zweitens gehört jeder Ankerplatz doppelt gedacht: einmal für den Tag und einmal für die Nacht. Eine Bucht, die nachmittags in der Abdeckung liegt, kann nach dem Abflauen des Tageswindes offen sein. Wer nicht sicher ist, plant den Übernachtungsplatz im Hafen und nutzt die Buchten für die Badepause — gerade im Hochsommer, wenn die beliebten Einschnitte an der Ostküste stark frequentiert sein können.

Und drittens gehört die Ankerfrage aus dem Abschnitt oben in die Etappenplanung, nicht in die Ankunft. Wenn eine Bucht über weite Flächen Seegras trägt, ist die Zahl der zulässigen Plätze klein, und sie sind vor Ihnen belegt. Ein Alternativplan für jede Nacht gehört deshalb zu einer guten Törnplanung im Balearenrevier.

Welche Karte zu welchem Törnabschnitt passt

Die Kartenfrage entscheidet sich im Revier weniger an der Genauigkeit als am Zuschnitt: Ein Kartensatz, der die ganze Inselgruppe abdeckt, macht die Wochenplanung leichter; eine Detailkarte hilft dort, wo die Hafeneinfahrt eng wird. Sinnvoll ist beides nebeneinander, und für die Planung an Land kommt oft ein Revierführer dazu.

  • Törn rund um Mallorca mit den Nachbarinseln: Ein Kartensatz für die Balearen. Er deckt den gesamten Törnraum ab und erspart das Wechseln zwischen Blättern. Für eine typische Charterwoche rund um Mallorca ist das die sinnvollste Grundlage.
  • Törn nur an einer Küste: Derselbe Satz, aber ein Revierführer dazu. Wer eine Woche zwischen Palma und dem Südosten bleibt, gewinnt mehr durch Hafen- und Buchtenbeschreibungen als durch zusätzliche Kartenblätter.
  • Überfahrt zu einer der Nachbarinseln: Amtliche Detailkarten für die Ansteuerungen. Für die offene Strecke genügt die Übersicht des Balearen-Kartensatzes; bei Ansteuerungen und Hafeneinfahrten ist die größere Maßstabsstufe besonders hilfreich. Wer über Mallorca hinaus plant, findet die Kartenzusammenstellung für die gesamte Inselgruppe in unserer Übersicht zu den Balearen.
  • Anschluss zum spanischen Festland: Ein zweiter Satz für die Küste. Die Balearenkarten enden am Archipel; wer übersetzt, braucht die Fortsetzung.
  • Digitale Karten für Planung und laufende Navigation. Welche Kombination aus Plotter, App und Papierkarte sinnvoll ist, hängt von Boot, Fahrtgebiet und persönlicher Arbeitsweise ab — eine allgemeingültige Rangfolge gibt es dabei nicht.

Für alle Varianten gilt dieselbe Bedingung, und sie ist wichtiger als die Auswahl: Die Karte muss aktuell sein. Hafenanlagen, Bojenfelder und Sperrbereiche ändern sich im Balearenrevier häufiger als die Küstenlinie. Bei einem älteren Kartensatz besteht deshalb das Risiko, dass inzwischen veränderte Bojenfelder oder Sperrbereiche noch nicht berücksichtigt sind. Die aktuelle Ausgabe ist bei Kartenwerken kein Komfort, sondern die Grundlage der Regel aus dem Ankerabschnitt.

Seekarten Spanien & Balearen ansehen

Ergänzend dazu führen wir Törnführer und Hafenhandbücher für das Mittelmeer, darunter mehrere Titel, die sich ausschließlich mit den Balearen befassen. Sie beantworten die Fragen, die eine Karte nicht beantwortet: wie eine Bucht bei welchem Wind liegt, wo der Grund hält und was ein Hafen tatsächlich bietet.

Wer digital plant oder navigiert, findet die passenden Produkte unter den digitalen Seekarten. Für das Durchspielen von Etappen am Bildschirm ist das der schnellere Weg; an Bord entscheidet die Arbeitsweise der Crew, welche Kombination sich bewährt.

Fazit

Mallorca ist für viele Crews ein gut zugängliches Mittelmeerrevier, verlangt bei Wetter, Ankerplatzwahl und Törnplanung aber mehr Aufmerksamkeit, als die kurzen Distanzen zunächst vermuten lassen. Was den Törn zusätzlich prägt, sind klare Vorgaben — das Ankerverbot über Seegras, die Bindung der Pflichtausrüstung an die Fahrtzone und die Zugangsregeln für den Nationalpark im Süden.

Wer Posidonia-Schutz, Fahrtzone und Cabrera bereits vor dem Ablegen berücksichtigt und seine Etappen an die Wetterlage anpasst, schafft gute Voraussetzungen für einen entspannten Törn. Wer diese Punkte unterwegs klärt, verliert Zeit — und im ungünstigen Fall mehr als das.

Häufige Fragen zum Revier Mallorca

Darf ich auf Mallorca überall ankern?+

Nein. Das balearische Posidonia-Dekret verbietet das Ankern über Seegraswiesen grundsätzlich, und auch die Kette darf eine nahe Wiese nicht berühren. Wo Bojenfelder eingerichtet sind, muss die Boje benutzt werden. Ausnahmen gelten nur bei höherer Gewalt und bei Gefahr für Leben oder Schiffssicherheit.

Brauche ich auf einer Charteryacht eine Rettungsinsel?+

Das hängt an der Fahrtzone. Die spanische Verordnung schreibt eine Rettungsinsel mit ausreichender Kapazität für alle Personen an Bord in den Fahrtzonen 1, 2 und 3 vor. Welche Zonen ein Boot befahren darf, ergibt sich aus seiner CE-Entwurfskategorie beziehungsweise einer zugewiesenen Fahrtzone und aus der vorhandenen Sicherheitsausrüstung — das gehört bei der Übernahme geklärt.

Gilt die spanische Ausrüstungspflicht auch für mein deutsches Boot?+

Die Verordnung nennt drei Fälle: in Spanien registrierte Boote, gewerblich in spanischen Gewässern eingesetzte Boote unabhängig von der Flagge, und Boote, deren Eigentümer oder Nutzer den Wohnsitz in Spanien hat. Charteryachten fallen damit unter die spanischen Vorgaben. Bei einem privat genutzten ausländischen Boot kommt es darauf an, ob einer dieser Fälle vorliegt — das lässt sich nicht pauschal beantworten und gehört im Zweifel vorab geklärt.

Wann ist die beste Zeit für einen Törn?+

Für viele Crews sind spätes Frühjahr und früher Herbst besonders attraktiv: Buchten und Häfen sind dann meist weniger stark frequentiert als im Hochsommer. Welche Reisezeit am besten passt, hängt aber von den persönlichen Anforderungen an Wetter, Wassertemperatur und Betrieb im Revier ab.

Kann ich Cabrera einfach anlaufen?+

Nein. Für das Befahren des Nationalparks ist nach Angaben der Parkverwaltung eine Navigationsgenehmigung erforderlich; wer über Nacht bleiben möchte, braucht zusätzlich eine Reservierung für einen Bojenplatz. Die zulässige Aufenthaltsdauer hängt von der Jahreszeit ab. Genehmigung und Bojenplatz gehören deshalb in die Törnplanung.

Welche Karte brauche ich für eine Woche ab Palma?+

Ein Kartensatz, der die Balearen als Ganzes abdeckt, reicht für die Navigation in aller Regel aus. Sinnvoll ergänzt wird er durch einen Revierführer für die Buchten- und Hafenbeschreibungen — und durch die aktuelle Ausgabe, weil sich Bojenfelder und Sperrbereiche ändern.

Autor: Hasko Scheidt
Hasko Scheidt - Segler, rundes Bild

Hasko Scheidt – Kapitän, Navigator, Bastler und Törnplaner aus Leidenschaft

Hasko Scheidt ist seit vielen Jahren eng mit der Seefahrt verbunden. Nach seinem Kapitänspatent an der Seefahrtschule in Hamburg im Jahr 1972 verlagerte sich sein beruflicher Schwerpunkt in die Wassersportwirtschaft: Er gründete den NV Charts Verlag für Seekarten. Über viele Jahre prägte er zudem die NV Charts Hafenlotsen Handbücher mit seinem strukturierten Stil und seinem großen Fachwissen. Durch seine langjährige Zeit auf dem Wasser und seine Liebe zum Segeln kennt er die Anforderungen unterschiedlicher Reviere und Schiffe aus eigener Erfahrung. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der klassischen Navigation und der Törnplanung für längere Reisen. Dabei geht es ihm nicht nur um die richtige Route, sondern auch um Sicherheit, gute Vorbereitung und eine verlässliche Einschätzung der Bedingungen. Auch im Ruhestand ist Hasko Scheidt dem Segeln treu geblieben. Mit technischem Verständnis und handwerklichem Geschick unterstützt er bei Fragen rund um Ausrüstung, Pflege und Reparaturen an Bord. Seine Texte verbinden Erfahrung, Praxisnähe und klare Sprache – und bieten wertvolle Orientierung auf See.
Hier gelangen Sie zu unserer HanseNautic Autoren-Seite: HanseNautic Redaktion

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