Windstärke an Bord: Beaufort, Knoten und was Sie tatsächlich sehen
Ratgeber Törnplanung
Windstärke an Bord: Beaufort, Knoten und was Sie tatsächlich sehen
Der Seewetterbericht meldet Knoten, das Handbuch spricht von Beaufort, die App zeigt Kilometer pro Stunde. Diese Seite stellt die drei Angaben nebeneinander – und geht dann der Frage nach, die dahinter steht: Was bedeutet die Zahl für Ihre Entscheidung an Bord?
Denn eine Windstärke allein sagt Ihnen nicht, ob Sie auslaufen. Die Beaufort-Skala verbindet Windgeschwindigkeiten mit typischen Merkmalen der Wasseroberfläche – Schaumkämme, Schaumstreifen, verwehende Gischt. Genau darin liegt ihr praktischer Wert: Sie funktioniert auch dann, wenn kein Instrument an Bord ist oder das vorhandene etwas anderes anzeigt, als draußen zu sehen ist.
Wer nur die Tabelle braucht, springt direkt zu Die Beaufort-Skala von 0 bis 12.
Kurz gefasst
Das Wichtigste auf einen Blick
- 1 Knoten = 1,852 km/h = 0,514 m/s. Ein Knoten ist eine Seemeile pro Stunde, die Seemeile ist mit exakt 1.852 Metern festgelegt.
- Beaufort ist eine gerundete Klassenskala. An den Stufengrenzen können sich je nach Tabelle und Einheit unterschiedliche Zuordnungen ergeben – übernehmen Sie deshalb die Grenzwerte der Quelle, mit der Sie arbeiten.
- Der DWD bezieht den Mittelwind seiner Küstenwarnungen auf 10 Meter Höhe und ein 10-Minuten-Mittel. Ein Geber, der tiefer sitzt, und eine Anzeige, die kürzer mittelt, weichen davon ab – ohne dass ein Gerät defekt wäre.
- Eine Bö ist definiert, nicht gefühlt: Der Deutsche Wetterdienst spricht davon, wenn der Mittelwind für 3 bis 20 Sekunden um mindestens 10 Knoten überschritten wird.
- Der DWD warnt an der deutschen Küste in drei Stufen – Windwarnung ab 6, Sturmwarnung ab 8 Beaufort, dazu eine Böenwarnung ab 7 Beaufort in den Böen.
- Die Wellenhöhen der Skala sind Richtwerte für ausgereifte Windsee, keine Vorhersage für Ihr Revier. Einzelne Wellen können deutlich höher auflaufen.
Die Beaufort-Skala von 0 bis 12
Die Beaufort-Skala lässt sich auf See auch anhand sichtbarer Erscheinungen einordnen – sie verbindet Windstärken mit typischen Merkmalen der Wasseroberfläche. Deshalb steht in der offiziellen Tabelle neben jeder Windgeschwindigkeit eine Beschreibung dessen, was dort passiert. Diese Spalte wird beim Weitergeben der Tabelle regelmäßig weggelassen, obwohl sie an Bord die brauchbarste ist: Ein Instrument kann ausfallen, das Wellenbild ist immer da.
Die Werte stehen so, wie der Deutsche Wetterdienst sie veröffentlicht: die Knoten- und Kilometerangaben sowie die Wellenhöhen aus der Seetabelle, die Meter-pro-Sekunde-Werte aus der Landtabelle. Sie sind nicht ineinander umgerechnet, sondern je Einheit so übernommen, wie der DWD sie führt. Hs bezeichnet die signifikante Wellenhöhe.
Windstille
Spiegelglatte See.
leiser Zug
Kleine, schuppenförmig aussehende Kräuselwellen ohne Schaumkämme.
leichte Brise
Kleine Wellen, noch kurz, aber ausgeprägter. Die Kämme sehen glasig aus und brechen nicht.
schwacher Wind
Die Kämme beginnen zu brechen. Vereinzelt können kleine weiße Schaumköpfe auftreten.
mäßiger Wind
Die Wellen sind zwar noch klein, werden aber länger. Weiße Schaumköpfe treten schon ziemlich verbreitet auf.
frischer Wind
Mäßige Wellen von ausgeprägter langer Form. Weiße Schaumkämme in großer Zahl, vereinzelt schon etwas Gischt.
starker Wind
Die Bildung großer Wellen beginnt. Überall ausgedehnte weiße Schaumkämme, häufig mit Gischt.
steifer Wind
Die See türmt sich. Der weiße Schaum beginnt sich in Streifen in Windrichtung zu legen.
stürmischer Wind
Mäßig hohe Wellenberge von beträchtlicher Länge. Die Kanten der Kämme beginnen zu Gischt zu verwehen.
Sturm
Hohe Wellenberge, dichte Schaumstreifen. Das Rollen der See beginnt. Die Gischt kann die Sicht beeinträchtigen.
schwerer Sturm
Sehr hohe Wellenberge mit langen überbrechenden Kämmen, die Meeresoberfläche im Ganzen weiß. Rollen der See schwer und stoßartig.
orkanartiger Sturm
Außergewöhnlich hohe Wellenberge. Kleine und mittelgroße Schiffe zeitweise hinter Wellenbergen verdeckt, Sicht stark herabgesetzt.
Orkan
Die Luft ist mit Schaum und Gischt angefüllt. Die See ist vollständig weiß von treibender Gischt.
Windgeschwindigkeiten, Wellenhöhen und Beschreibungen nach dem Wetterlexikon des Deutschen Wetterdienstes, Einträge „Beaufort-Skala" und „Beaufort-Skala See". Die Knoten-, Kilometer- und Wellenwerte sind dort ausdrücklich als gerundete Werte gekennzeichnet. Andere Veröffentlichungen runden an den Stufengrenzen abweichend – wer eine Zuordnung braucht, nimmt die Tabelle, mit der er arbeitet.
Knoten, Meter pro Sekunde, Kilometer pro Stunde
Die Umrechnung der reinen Geschwindigkeiten ist eindeutig festgelegt.
- 1 Knoten = 1,852 km/h. Ein Knoten ist eine Seemeile pro Stunde, und die Seemeile ist mit exakt 1.852 Metern definiert.
- 1 Knoten = 0,5144 m/s, in der Praxis gerundet auf 0,514.
- 1 m/s = 3,6 km/h.
- Faustregel für den Kopf: Knoten mal zwei ergibt etwa Kilometer pro Stunde, mit knapp 8 % Überschätzung. Knoten halbiert ergibt etwa Meter pro Sekunde, mit rund 3 % Überschätzung.
Für die Fahrtgeschwindigkeit gilt dieselbe Umrechnung wie für den Wind – Knoten sind Knoten, ob über Grund oder durchs Wasser.
Für die Beaufort-Zuordnung gilt das nicht ohne Weiteres. Beaufort ist eine gerundete Klassenskala, und die Grenzwerte sind über die Jahrzehnte in verschiedenen Einheiten festgeschrieben worden – je nach Tabelle und Einheit können sich an den Stufengrenzen unterschiedliche Zuordnungen ergeben. Übernehmen Sie deshalb die Grenzwerte der Tabelle, mit der Sie arbeiten, statt gerundete Werte aus einer anderen Einheit zurückzurechnen. Im deutschen Seewetterbericht ist die Leitgröße der Knoten; daran orientieren sich Warnungen und Vorhersagen.
Was hinter einer Windmeldung steht
Hier liegt die häufigste Ursache dafür, dass Bordanzeige und Wetterbericht auseinandergehen – und in den meisten Fällen ist kein Gerät defekt.
Bezugshöhe: 10 Meter. Meteorologische Angaben zum Mittelwind beziehen sich üblicherweise auf eine Messhöhe von 10 Metern. Der Deutsche Wetterdienst definiert den Mittelwind für seine Küstenwarnungen ausdrücklich als „den über 10 Minuten gemittelten Wind in 10 Meter über der Meeresoberfläche"; bei Landangaben ist es dieselbe Höhe über freiem Gelände. Die Windgeschwindigkeit nimmt mit der Höhe grundsätzlich zu – ein Geber im Cockpit misst deshalb tendenziell weniger als die Bezugshöhe von 10 Metern, ein Masttop-Geber in 15 Metern tendenziell mehr. Wie groß der Unterschied im Einzelfall ausfällt, hängt zusätzlich von der Anströmung am Boot ab.
Eine belastbare Umrechnung zwischen zwei Messhöhen gibt es für den Bordgebrauch nicht. Wir haben bei DWD, beim britischen Met Office und bei der US-amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde nach einem einfachen Faktor gesucht und keinen gefunden. Die NOAA rechnet Bojenmessungen tatsächlich auf 10 Meter um, verwendet dafür aber ein iteratives Verfahren, das Luft- und Wassertemperatur einbezieht. Wer eine Zahl wie „plus zehn Prozent pro Masthöhe" liest, liest eine Schätzung, keine Norm.
Mittelungszeit: 10 Minuten. Auch das erklärt Abweichungen. Ihr Instrument zeigt einen Momentanwert oder ein kurzes Mittel; die Meldung ist über zehn Minuten geglättet. In böigem Wind und bei Schauern kann der kurzfristige Messwert deshalb deutlich über dem gemeldeten Mittelwind liegen.
Und die Bö ist definiert, nicht gefühlt. Der DWD spricht von einer Bö, wenn der 10-Minuten-Mittelwert innerhalb weniger Sekunden – höchstens 20, mindestens 3 Sekunden anhaltend – um mindestens 5 Meter pro Sekunde, also 10 Knoten, überschritten wird. Die Windspitze ist davon nochmals zu unterscheiden: Sie ist der höchste gemessene 3-Sekunden-Mittelwert.
Tipp aus der Beratung
Wenn Bordanzeige und Seewetterbericht dauerhaft um eine Stufe auseinanderliegen, prüfen Sie zuerst die Anzeigeeinstellung: Viele Instrumente lassen sich zwischen wahrem und scheinbarem Wind sowie zwischen Knoten und Meter pro Sekunde umschalten, und beides wird bei der Inbetriebnahme gern übersehen. Erst danach lohnt der Blick auf den Geber.
Scheinbarer und wahrer Wind
Diese Unterscheidung entscheidet mit, welche Zahl Sie überhaupt vor sich haben. Der Deutsche Wetterdienst definiert sie so: Die an einem festen Ort gemessene Luftbewegung ist der wahre Wind. Bewegt sich das Messgerät selbst – weil es auf einem fahrenden Schiff steht –, überlagern sich wahrer Wind und Fahrtwind zum scheinbaren Wind. Mathematisch ist das eine Vektoraddition.
Der Wetterbericht meldet immer wahren Wind. Ein Verklicker im Masttop und ein einfacher Windgeber ohne Vernetzung zeigen dagegen scheinbaren Wind, weil sie mitfahren. Ein vernetztes Instrumentensystem kann aus dem scheinbaren Wind und den Bewegungsdaten des Bootes den wahren Wind berechnen. Welche Daten dafür verwendet werden – Fahrt durchs Wasser, Geschwindigkeit über Grund, Kurs oder Heading –, hängt vom System und seiner Konfiguration ab.
Praktisch bedeutet das: Auf Vorwindkurs zeigt Ihr Instrument deutlich weniger, als der Bericht meldet, weil sich die Fahrt abzieht. Am Wind zeigt es mehr. Wer die Anzeige mit dem Wetterbericht vergleichen will, muss deshalb wissen, welche der beiden Größen auf dem Display steht.
Wellenhöhe: Was „signifikant" bedeutet
Die Wellenhöhen in der Tabelle oben tragen einen Vorbehalt, der oft wegfällt, wenn die Tabelle weitergegeben wird. Der Deutsche Wetterdienst schreibt dazu: Es handelt sich um „ungefähre Richtwerte der sogenannten ausgereiften Windsee", und eine Überlagerung der Windsee durch Dünung ist nicht berücksichtigt.
Zwei Dinge folgen daraus. Erstens: Die Zahlen setzen voraus, dass der Wind lange genug aus derselben Richtung geweht hat, damit sich der Seegang voll aufbauen konnte. In einem engen Revier, kurz nach einer Winddrehung oder bei auflaufender Tide gegen den Wind stimmt das nicht.
Zweitens – und das ist der wichtigere Punkt: Die signifikante Wellenhöhe ist nicht die höchste Welle. Sie ist der Mittelwert des höheren Drittels aller Wellen. Der DWD hält dazu ausdrücklich fest, dass Einzelwellen theoretisch, aber recht selten die doppelte Höhe oder mehr erreichen können. Bei 3 Metern signifikanter Wellenhöhe ist eine Sechs-Meter-Welle also nicht ausgeschlossen, nur unwahrscheinlich.
Nicht verwechseln: Beaufort beschreibt den Wind, die Douglas-Skala den Seegang. Die beiden werden gern in einer Tabelle zusammengefasst, aber eine feste Zuordnung geben die Behörden nicht her – NOAA und Met Office ordnen die oberen Stufen unterschiedlich zu. Wir verzichten deshalb bewusst auf eine solche Gegenüberstellung.
Wann der Deutsche Wetterdienst warnt
Für die deutsche Nord- und Ostseeküste gibt der DWD Küstenwarnungen rund um die Uhr heraus. Die Schwellen sind knapp und lassen sich merken.
Nach den Kriterien für Küstenwarnungen des Deutschen Wetterdienstes. Für Binnenseen und den Bodensee gelten eigene, abweichende Schwellen.
Eine Stufe, die es nicht gibt: Die Begriffe „Starkwindwarnung" und „Orkanwarnung" begegnen einem häufig, für die deutsche Küste führt der DWD sie jedoch nicht. Es bleibt bei Wind-, Sturm- und Böenwarnung, ergänzt um Gewitterwarnungen. Wer nach einer Orkanwarnung für die Ostsee sucht, wird sie nicht finden – gewarnt wird als Sturmwarnung mit entsprechender Böenangabe.
Was die Stufen an Bord bedeuten
Die Skala sagt, wie stark der Wind weht. Sie sagt nicht, ob Sie auslaufen sollten – das hängt von Schiff, Crew, Revier und Kurs ab. Als grobe Einordnung lässt sich der Bereich, in dem sich die meisten Entscheidungen abspielen, aber beschreiben.
0 bis 3 Beaufort: Meist geringe Windbelastung. Bei Segelbooten steht eher die Frage nach ausreichendem Vortrieb im Vordergrund als die nach der Belastung.
4 bis 5 Beaufort: Für viele Fahrtensegler bereits kräftiger Segelwind. Reffen, Kurs, Bootsgröße und Erfahrung werden zunehmend relevant.
6 Beaufort: Starker Wind mit 22 bis 27 Knoten – die Schwelle, ab der der Deutsche Wetterdienst warnt. Manöver und Arbeiten an Deck werden anspruchsvoller; für weniger erfahrene Crews und kleine Boote kann bereits die Hafenausfahrt die vernünftigere Entscheidung sein.
Ab 7 Beaufort: Seegang, Revier, Kurs und Rückzugsmöglichkeiten werden mindestens so wichtig wie die reine Windzahl. Sieben Beaufort auf einem geschützten Bodden sind etwas anderes als sieben Beaufort mit ausgereifter Windsee gegen die Tide.
Genau deshalb ist die Beschreibungsspalte der Tabelle so nützlich: Sie zwingt dazu, nach draußen zu schauen, statt nur auf die Anzeige. Wenn Anzeige und Eindruck an Deck nicht zusammenpassen, lohnt sich ein genauer Blick. Zeigt das Instrument scheinbaren oder wahren Wind? Wo sitzt der Geber, und steht das Boot vielleicht im Windschatten? Und passt das beobachtete Wellenbild zur gemeldeten Windstärke? In den meisten Fällen erklärt eine dieser Fragen den Unterschied.
Messen statt schätzen – wann sich ein Gerät lohnt
Die Stärke der Skala liegt darin, dass sie ohne Instrument auskommt: Sie können die Windstärke am Wellenbild einordnen. Für die Entscheidung, ob Sie auslaufen, reicht das in vielen Fällen. Drei Situationen sprechen dennoch dafür, den Wind an Bord dauerhaft im Blick zu haben.
Im Hafen sehen Sie kein Wellenbild. Im Windschatten der Mole steht die See still, während draußen sechs Beaufort wehen – die Einschätzung am Wellenbild versagt genau dort, wo Sie die Entscheidung treffen. Eine Anzeige am Liegeplatz beantwortet wenigstens die Frage, was am Mast ankommt.
Beim Reffen zählt der Trend, nicht der Momentwert. Ob der Wind über eine halbe Stunde zulegt oder nur böig ist, sieht man nur an einer laufenden Anzeige. Das ist die Aufgabe eines fest installierten Windgebers mit passendem Instrumentendisplay – und hier schließt sich der Kreis zum Abschnitt über die Messhöhe: Weil es keine belastbare Umrechnung zwischen zwei Messhöhen gibt, schafft ein Geber an einer festen Position eine wichtige Voraussetzung für Werte, die sich über die Saison sinnvoll miteinander vergleichen lassen. Garantiert ist die Vergleichbarkeit damit noch nicht – Kalibrierung, Abschattung durch Rigg und Segel und das Messsystem selbst spielen ebenfalls hinein.
Für die Windrichtung braucht es dagegen keine elektronische Messanlage. Ein Verklicker im Masttop zeigt den scheinbaren Wind ohne Strom, ohne Kabel und ohne Ausfallrisiko. Auf vielen Booten ist er die sinnvollste erste Anschaffung, lange bevor über eine Messanlage nachgedacht wird; auf vielen Jollen reicht er für die unmittelbare Orientierung am Wind vollkommen aus.
Für die Wetterbeobachtung an Bord bleibt auch der Luftdruck interessant. Ein Barometer ersetzt keine Wettervorhersage, macht aber Drucktendenzen sichtbar. Deutlich fallender Luftdruck kann auf eine Wetterverschlechterung oder die Annäherung eines Tiefdruckgebiets hindeuten und ist deshalb ein sinnvoller zusätzlicher Beobachtungswert.
Windmesser und Wetterinstrumente ansehen
Wie sich Windstärke, Wellen, Strömung und Sicht zu einer Törnentscheidung zusammensetzen, behandelt ein eigener Beitrag ausführlich:
Fazit
Der praktisch wertvollste Teil der Skala ist nicht die Zahl, sondern die Beschreibung: Schaumkämme bei vier, Schaumstreifen in Windrichtung bei sieben. Wer diese Bilder kennt, kann den Wind auch ohne Instrument einschätzen – und merkt, wenn die Anzeige an Bord nicht zu dem passt, was draußen zu sehen ist.
Und die Zahl allein beantwortet die eigentliche Frage nicht. Ob Sie auslaufen, entscheidet sich nicht an der Windstärke, sondern am Zusammenspiel aus Wind, Seegang, Revier, Schiff und Crew. Die Skala liefert dafür eine gemeinsame Sprache – mehr nicht, aber auch nicht weniger.
Häufige Fragen
Wie viele km/h sind ein Knoten?+
Genau 1,852 km/h. Ein Knoten ist eine Seemeile pro Stunde, und die Seemeile ist mit exakt 1.852 Metern festgelegt. In Meter pro Sekunde sind es 0,5144, üblicherweise auf 0,514 gerundet. Für den Kopf: Knoten mal zwei ergibt etwa Kilometer pro Stunde, mit knapp 8 % Überschätzung.
Wie viele Knoten sind 5 Beaufort?+
17 bis 21 Knoten, nach der Seetabelle des Deutschen Wetterdienstes – das entspricht 29 bis 38 km/h. In Meter pro Sekunde führt der DWD für 5 Beaufort 8,0 bis 10,7 m/s. Beaufort ist eine gerundete Klassenskala – an den Stufengrenzen können sich je nach Tabelle und Einheit leicht abweichende Zuordnungen ergeben.
Warum zeigt mein Windmesser weniger an als der Wetterbericht?+
Dafür gibt es häufig drei ganz normale Erklärungen, ohne dass ein Defekt vorliegen muss. Erstens die Messhöhe: Meteorologische Angaben zum Mittelwind beziehen sich üblicherweise auf 10 Meter Höhe; der DWD verwendet diesen Bezug auch für seine Küstenwarnungen. Ein tiefer sitzender Geber kann deshalb andere Werte liefern. Zweitens die Mittelungszeit: Der DWD arbeitet für seine Windmeldungen mit einem 10-Minuten-Mittel, Ihr Gerät zeigt den Augenblick. Drittens scheinbarer statt wahrer Wind – auf Vorwindkurs zieht sich die Fahrt vom angezeigten Wind ab.
Ab welcher Windstärke gibt es eine Sturmwarnung?+
An der deutschen Nord- und Ostseeküste ab 8 Beaufort im Mittelwind. Ab 6 Beaufort gibt der Deutsche Wetterdienst eine Windwarnung heraus, und wenn der Mittelwind unter 6 Beaufort bleibt, aber die Böen 7 Beaufort erreichen, kommt eine Böenwarnung. Eine „Starkwindwarnung" oder „Orkanwarnung" führt der DWD für die deutsche Küste nicht – für Binnenseen und den Bodensee gelten eigene Schwellen.
Wie hoch sind die Wellen bei 6 Beaufort?+
Der Deutsche Wetterdienst nennt für 6 Beaufort eine signifikante Wellenhöhe von rund 3 Metern – als ungefähren Richtwert für ausgereifte Windsee auf offener See, ohne Dünung. Zwei Vorbehalte gehören dazu: In engen Revieren oder kurz nach einer Winddrehung baut sich der Seegang nicht voll auf, und die signifikante Wellenhöhe ist der Mittelwert des höheren Drittels, nicht die höchste Welle. Einzelne Wellen können nach DWD-Angabe die doppelte Höhe erreichen, auch wenn das selten ist.
Was ist der Unterschied zwischen scheinbarem und wahrem Wind?+
Wahrer Wind ist die Luftbewegung, wie sie an einem festen Ort gemessen wird – das meldet der Wetterbericht. Bewegt sich das Messgerät mit dem Schiff, überlagern sich wahrer Wind und Fahrtwind zum scheinbaren Wind; mathematisch ist das eine Vektoraddition. Ein Verklicker im Masttop zeigt scheinbaren Wind. Ein vernetztes Instrumentensystem kann daraus den wahren Wind berechnen; welche Bewegungsdaten des Bootes es dafür heranzieht, hängt vom System und seiner Konfiguration ab.
Was gilt als Bö?+
Der Deutsche Wetterdienst spricht von einer Bö, wenn der 10-Minuten-Mittelwert der Windgeschwindigkeit innerhalb weniger Sekunden – höchstens 20, mindestens 3 Sekunden anhaltend – um mindestens 5 m/s beziehungsweise 10 Knoten überschritten wird. Davon zu unterscheiden ist die Windspitze: der höchste gemessene 3-Sekunden-Mittelwert.
Ist die Douglas-Skala dasselbe wie Beaufort?+
Nein. Die Beaufort-Skala beschreibt den Wind, die Douglas-Skala den Seegang – also die Wellenhöhe. Die beiden werden oft in einer Tabelle gegenübergestellt, aber eine verbindliche Zuordnung gibt es nicht: NOAA und das britische Met Office ordnen die oberen Stufen unterschiedlich zu. Wer eine solche Tabelle benutzt, sollte wissen, dass sie eine Konvention wiedergibt und keine Norm.
Alle Windgeschwindigkeiten, Wellenhöhen, Definitionen und Warnschwellen in diesem Beitrag stammen aus dem Wetterlexikon und den Warnkriterien des Deutschen Wetterdienstes; die Umrechnungsfaktoren aus der Publikation SP 811 des National Institute of Standards and Technology; die Angaben zur Douglas-Skala von der National Oceanic and Atmospheric Administration und dem britischen Met Office. Stand September 2026.


