Winschen warten: Intervall, Fett und was Sie selbst machen können
Ratgeber Bootswartung & Bootspflege
Winschen warten: seltener, als viele denken – aber richtig
Eine Winsch ist eines der wenigen Bauteile an Deck, das jahrelang klaglos arbeitet und sich erst meldet, wenn es zu spät ist. Wer sie regelmäßig reinigt und nach Herstellervorgabe schmiert, merkt davon nichts – und das ist der Sinn der Sache.
Rund um die Winschenwartung halten sich zwei Annahmen, die beide nicht tragen. Die erste: Eine Winsch gehört jeden Frühling zerlegt. Die zweite: Geschmiert wird mit Winschenfett, überall dort, wo es sich bewegt. Zumindest Andersen setzt bei normaler Freizeitnutzung ein deutlich längeres Wartungsintervall an, als die erste Annahme vermuten lässt – der Hersteller nennt zwei Jahre. Und die zweite Annahme ist der Fehler, der eine Winsch tatsächlich beschädigen kann.
Dieser Beitrag beschreibt die Wartung, die Sie selbst übernehmen können: Reinigen, Schmieren, Sichtprüfung und die Pflege der Kurbel. Er beschreibt nicht das vollständige Zerlegen mit Tausch von Sperrklinken und Federn – warum wir das hier nicht allgemein erklären, steht weiter unten. Wenn Sie direkt wissen möchten, welcher Rhythmus zu Ihrem Boot passt, springen Sie zu Welcher Wartungsrhythmus passt zu welchem Boot?.
Zur Einordnung: Konkrete Wartungsintervalle nennen wir in diesem Beitrag am Beispiel von Andersen. Bei Schmierung, Demontage und Ersatzteilen gilt immer die Serviceanleitung des jeweiligen Winschenherstellers – die Vorgaben können sich zwischen den Fabrikaten erheblich unterscheiden.
Das brauchen Sie
- Die Serviceanleitung Ihrer Winsch – sie nennt Intervall, Schmierstellen und Schmiermittel verbindlich
- Lappen, weiche Bürste und die vom Hersteller empfohlenen Reinigungsmittel
- Die laut Serviceanleitung benötigten Schmierstoffe – je nach Modell beispielsweise Winschenfett und leichtes Öl
- Eine Unterlage oder ein Handtuch, damit nichts über Bord geht
- Die Winschkurbel, um die Funktion vor und nach der Arbeit zu prüfen
Wie oft eine Winsch tatsächlich gewartet werden muss
Die Antwort hängt daran, wie viel die Winsch arbeitet – nicht daran, wie viele Monate der Kalender zählt. Andersen, dessen Winschen wir führen, nennt für normale Freizeitnutzung einen Rhythmus von zwei Jahren für Reinigen, Fetten und Prüfen aller beweglichen Teile. Für intensive Nutzung – Regatta, Charter, Blauwassertörn – empfiehlt der Hersteller mindestens einmal jährlich.
Das ist bemerkenswert, weil es der verbreiteten Faustregel „einmal pro Saison“ widerspricht. Für ein Boot, das an einem norddeutschen Liegeplatz ein paar Wochenendtörns im Jahr macht, ist der Zwei-Jahres-Rhythmus die Herstellervorgabe, nicht ein Sparvorschlag. Umgekehrt gilt: Wer sein Boot vercharert oder Regatten segelt, kommt mit einem jährlichen Termin nicht zu früh, sondern gerade rechtzeitig.
Quelle: Andersen Winches, Häufige Fragen zu Service und Wartung (Ronstan International).
Wie weit die Angaben auseinandergehen, zeigt der Vergleich: Lewmar nennt im Handbuch für seine elektrischen und hydraulischen Winschen einen monatlichen Pflegegang – abspülen, Sperrklinken ölen, Zahnräder fetten – und darüber hinaus zwei bis drei vollständige Zerlegungen pro aktiver Saison. Das betrifft andere Winschen und eine andere Herstellervorgabe. Genau deshalb taugt keine allgemeine Faustregel: Zwischen zwei Jahren und einem Monat liegt der Unterschied zwischen zwei Herstellerangaben, nicht zwischen richtig und falsch. Maßgeblich ist die Anleitung, die zu Ihrer Winsch gehört.
Quelle: Lewmar, Winch Manual B2303, Abschnitt 7.5 „General Maintenance".
Unabhängig vom Intervall gibt es Anzeichen, bei denen nicht auf den Termin gewartet wird. Wenn die Trommel beim Fieren spürbar rau läuft, wenn das gewohnte gleichmäßige Klicken unregelmäßig wird oder wenn die Winsch unter Last kurz durchrutscht, gehört sie geöffnet – das ist Erfahrung aus unserer Beratung und ersetzt keine Ferndiagnose. Mögliche Ursachen reichen von verharztem Altfett über Salzkristalle bis zu einer ermüdeten Feder; welche davon zutrifft, zeigt erst der Blick hinein.
Tipp aus der Praxis
Notieren Sie das Wartungsdatum im Logbuch oder mit einem Stück Tape an der Winschkurbeltasche. Bei einem Zwei-Jahres-Rhythmus erinnert sich niemand zuverlässig, ob es die vorletzte oder die vorvorletzte Saison war.
Winschenfett oder Öl: Entscheidend ist die richtige Schmierung
Hier liegt der Punkt, an dem beim Selbermachen am häufigsten etwas schiefgeht. Und der Fehler ist nicht, zu wenig zu schmieren, sondern das falsche Mittel an die falsche Stelle zu bringen.
Welche Teile gefettet und welche geölt werden, gibt der Hersteller vor. Winschenfett gehört nur an die dafür vorgesehenen Lager-, Zahnrad- und Gleitflächen. Sperrklinken werden je nach Fabrikat dagegen mit einem geeigneten Öl geschmiert. Lewmar schreibt für seine Winschen leichtes Öl für die Sperrklinken vor und weist ausdrücklich darauf hin, dass beim Fetten der Zahnräder und Lager kein Fett an die Sperrklinken gelangen darf – sie bleiben sonst im Betrieb hängen. Eine Sperrklinke, die nicht mehr sauber einfällt, kann die Sperrfunktion der Winsch beeinträchtigen.
Quelle: Lewmar, Winch Manual B2303, Abschnitt 7.5 „General Maintenance".
Beim Fett selbst kommt eine zweite Vorgabe dazu, und sie ist schärfer, als die meisten erwarten. Andersen schreibt für die eigenen Winschen unmissverständlich, dass nicht jedes Fett geeignet ist, empfiehlt nachdrücklich das hauseigene Winschenfett und nennt mehrere Produkte, die als „marine grease“ verkauft werden, ausdrücklich als ungeeignet. Als mögliche Folge nennt der Hersteller Fehlfunktion mit Verletzungsrisiko. „Für den Marinebereich“ auf dem Etikett ist also keine Freigabe für Winschen, sondern eine Produktbeschreibung.
Quelle: Andersen Winches, Häufige Fragen „Can I use any kind of grease to service and re-grease my winches?" (Ronstan International).
Praktisch heißt das: Nicht pauschal schmieren, sondern nach Serviceanleitung arbeiten. Die dort vorgesehenen Schmiermittel bereitlegen und nur an den angegebenen Stellen einsetzen. Und die Freigabe des Winschenherstellers entscheidet, nicht der Preis und nicht die Aufschrift. Welches Fabrikat auf Ihrem Deck sitzt, steht meist auf der Trommel oder auf dem Sockel; ist nichts zu erkennen, hilft ein Foto der Winsch weiter, bevor Sie etwas kaufen. In unserem Sortiment finden Sie verschiedene Fette und Pflegemittel. Welches Schmiermittel für Ihre Winsch geeignet und freigegeben ist, entnehmen Sie der jeweiligen Serviceanleitung. Rufen Sie uns an, wenn Sie unsicher sind: Bei dieser Frage ist eine kurze Rückfrage billiger als das falsche Mittel.
Was Sie selbst machen – und wo wir Ihnen abraten
Die Arbeit, die den größten Teil des Nutzens bringt, ist unspektakulär. Die Trommel wird abgenommen. Nach dem Öffnen werden Salz, Schmutz und altes Schmiermittel entsprechend der Serviceanleitung entfernt. Anschließend müssen die Teile vollständig trocknen, bevor sie nach Herstellervorgabe neu gefettet beziehungsweise geölt werden. Danach wird zusammengesetzt und die Funktion mit der Kurbel geprüft. Bei einer Winsch, die im Rhythmus gewartet wird, ist das eine überschaubare Arbeit an einem trockenen Nachmittag.
Legen Sie alles auf ein Handtuch, nicht direkt aufs Deck. Die kleinen Teile einer Winsch sind genau die Teile, die durch den Speigatt verschwinden, und ein Ersatzteil zu beschaffen dauert deutlich länger als die ganze Wartung.
Sperrklinken und Federn: warum wir das hier nicht beschreiben
Der Austausch von Sperrklinken und Federn ist bei einigen Winschen Bestandteil der regulären Wartung. Weil Einbaulage und Vorgehensweise modellabhängig sind, beschreiben wir diesen Schritt hier bewusst nicht allgemein. Arbeiten Sie dabei ausschließlich nach der Serviceanleitung Ihrer Winsch – oder lassen Sie den Austausch fachkundig durchführen.
Wie wenig Spielraum dabei bleibt, zeigt eine Angabe von Andersen: Die aktuellen Federn sind nicht symmetrisch, haben unterschiedlich geformte Enden und lassen sich nur in einer bestimmten Lage einbauen. Falsch eingesetzt sieht die Winsch fertig montiert aus und arbeitet trotzdem nicht so, wie sie soll – an einem Bauteil, das unter Last sperren muss. Genau solche Details stehen in der Anleitung des Modells und in keinem allgemeinen Ratgeber.
Quelle: Andersen Winches, Häufige Fragen zum Tausch von Sperrklinken und Federn (Ronstan International).
Welcher Wartungsrhythmus passt zu welchem Boot?
Die Bausteine stehen oben – hier sind sie zusammengesetzt. Suchen Sie den Fall, der Ihrem Boot am nächsten kommt.
- Fahrtenboot mit Wochenendtörns, fester Liegeplatz: Zwei-Jahres-Rhythmus. Das entspricht der Angabe von Andersen für normale Freizeitnutzung. Reinigen und Schmieren übernehmen Sie selbst. Zwischen den Wartungsterminen achten Sie auf ungewöhnliche Geräusche, Schwergängigkeit, Korrosion und sichtbare Beschädigungen.
- Charterboot oder Regattaboot: einmal jährlich, fester Termin. Die Winschen laufen ein Vielfaches der Betriebszeit, und der Zustand ist bei wechselnder Crew niemandes Aufgabe, wenn er nicht terminiert ist.
- Blauwassertörn geplant: vor dem Ablegen warten, nicht danach. Der Hersteller nennt Blauwassersegeln ausdrücklich als Grund für den kürzeren Rhythmus. Unterwegs fehlt beides – Ersatzteil und Werkstatt.
- Gebraucht gekauftes Boot mit unbekannter Historie: vollständige Wartung einplanen. Wenn Zustand, Modell oder Wartungshistorie unklar sind, ist eine fachkundige Prüfung sinnvoll. Danach kennen Sie den Ausgangszustand und können in den passenden Wartungsrhythmus einsteigen.
- Elektrische Winsch: die Unterlagen des Antriebs zusätzlich lesen. Motor und Getriebe haben eigene Wartungspunkte, die mit dem Winschkörper nichts zu tun haben. Die Winschanleitung allein deckt sie nicht ab.
- Winsch ohne erkennbares Fabrikat: erst identifizieren, dann Schmiermittel kaufen. Ohne Hersteller gibt es weder Freigabe noch Schmierplan – und ohne beides ist jedes Mittel ein Versuch.
Für alle Fälle gilt dieselbe Bedingung: Maßgeblich ist die Anleitung der Winsch, die tatsächlich auf Ihrem Deck sitzt. Die Intervallangaben in diesem Beitrag stammen von Andersen, die Schmierangaben von Lewmar – beides sind Anhaltspunkte und keine Freigabe für andere Fabrikate.
Die Winschkurbel wird beim Warten vergessen
Die Kurbel ist das Teil, das jeder täglich anfasst und niemand wartet. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Verriegelung, die die Kurbel sicher in der Aufnahme hält. Prüfen Sie bei jeder Winschenwartung, ob sie sauber einrastet und sich ebenso sauber wieder lösen lässt.
Spülen Sie die Kurbel gelegentlich mit Süßwasser ab, besonders die Verriegelung und das Griffgelenk. Salz, das dort trocknet, macht aus einer leichtgängigen Mechanik über eine Saison eine schwergängige. Und lagern Sie die Kurbel dort, wo sie hingehört – eine Kurbeltasche im Cockpit ist kein Zubehör für Ordnungsliebende, sondern der Grund, warum die Kurbel im Manöver da ist, wo die Hand sie sucht.
Unser Tipp
Eine zweite Kurbel an Bord kostet wenig und löst zwei Probleme auf einmal: die verlorene Kurbel und das Manöver, bei dem zwei Winschen gleichzeitig gebraucht werden. Schwimmfähige Ausführungen gibt es für genau den Fall, in dem die erste über Bord geht.
Wenn Sie ohnehin am Deck arbeiten: Die Leinen, die über die Winsch laufen, verraten deren Zustand mit. Aufgeraute Stellen an immer derselben Position im Tauwerk deuten eher auf eine raue Kante an Trommel oder Selbstholer hin als auf schlechtes Material – ein Hinweis, dem beim nächsten Öffnen nachzugehen lohnt.
Fazit
Entscheidend sind das zum Hersteller passende Wartungsintervall und die richtige Schmierung: Fett und Öl gehören nur an die dafür vorgesehenen Stellen. Andersen nennt für normale Freizeitnutzung zwei Jahre, für Regatta, Charter und Blauwasser mindestens ein Jahr; Lewmar schreibt für seine Winschen leichtes Öl an die Sperrklinken vor und warnt davor, dort Fett zu verwenden. Reinigen, Schmieren und die Sichtprüfung sind Eigenleistung; beim Austausch von Sperrklinken und Federn arbeiten Sie nach der Serviceanleitung Ihres Modells oder lassen ihn fachkundig durchführen. Wer zusätzlich die Kurbel im Blick behält, hat den größten Teil der Winschenwartung abgedeckt.
Häufige Fragen
Muss ich meine Winschen wirklich jedes Frühjahr zerlegen?+
Nach Angaben von Andersen nicht: Für normale Freizeitnutzung nennt der Hersteller einen Rhythmus von zwei Jahren für Reinigen, Fetten und Prüfen. Bei Regatta, Charter oder Blauwassersegeln empfiehlt er mindestens einmal jährlich. Maßgeblich ist die Anleitung Ihres eigenen Fabrikats.
Muss ich eine Winsch fetten oder ölen?+
In aller Regel beides – nur an verschiedenen Stellen. Winschenfett gehört an die dafür vorgesehenen Lager-, Zahnrad- und Gleitflächen. Die Sperrklinken werden je nach Fabrikat mit einem leichten Öl geschmiert; Lewmar schreibt das für seine Winschen ausdrücklich vor und warnt davor, Fett an die Sperrklinken zu bringen, weil sie sonst im Betrieb hängen bleiben. Welche Fläche welches Mittel bekommt, steht in der Serviceanleitung Ihres Modells.
Kann ich normales Mehrzweckfett aus dem Baumarkt nehmen?+
Nein. Andersen weist ausdrücklich darauf hin, dass nicht jedes Fett geeignet ist – auch mehrere als „marine grease“ verkaufte Produkte nicht – und nennt als mögliche Folge eine Fehlfunktion mit Verletzungsrisiko. Verwenden Sie ein Fett, das der Hersteller Ihrer Winsch freigibt, und bringen Sie es nur an die Stellen, die die Anleitung dafür vorsieht.
Woran merke ich, dass eine Winsch vor dem Termin gewartet werden muss?+
An drei Dingen: Die Trommel läuft spürbar rau, das gewohnte gleichmäßige Klicken wird unregelmäßig, oder die Winsch rutscht unter Last kurz durch. Dazu kommen Korrosion und sichtbare Beschädigungen. Das sind Beobachtungen aus unserer Beratungspraxis, keine Ferndiagnose – die Ursache zeigt sich erst beim Öffnen.
Kann ich Sperrklinken und Federn selbst tauschen?+
Bei einigen Winschen ist der Austausch Bestandteil der regulären Wartung. Weil Einbaulage und Vorgehensweise modellabhängig sind, beschreiben wir den Schritt in diesem Beitrag nicht allgemein. Andersen weist zum Beispiel darauf hin, dass die aktuellen Federn nicht symmetrisch sind und sich nur in einer bestimmten Lage einbauen lassen. Arbeiten Sie ausschließlich nach der Serviceanleitung Ihrer Winsch – oder lassen Sie den Austausch fachkundig durchführen.


