Auf in die Karibik!

Mareike Guhr, vielen als Expertin für Lang-Reisen und Törnplanung bekannt, beschreibt in diesem Blogartikel, welche Bücher, Karten und weiteren Quellen für eine gute Reisevorbereitung genutzt werden.

Seekarten und Bücher für die Transatlantik-Reise

Transatlantik - das Wort hat etwas magisches an sich, bezeichnet es doch das Überqueren eines Ozeans. Unseres Ozeans! Denn der Atlantik liegt ja genau genommen vor unserer Haustür. Für viele Segler ist es ein langgehegter Traum, einmal einen Ozean zu bezwingen. Dabei geht es vor allem darum ihn zu nutzen, um mit Wind und Strömung auf die andere Seite zu gelangen. Die andere Seite ist immerhin, zumindest auf der klassischen Route, 2700 Seemeilen entfernt.  Für die meisten Segelyachten bedeutet das zwei bis vier Wochen auf See zu sein.

Mit heutigen Navigationsmöglichkeiten ist das ganze nicht mehr schwer, will aber trotzdem sorgfältig vorbereitet sein.
Für die langfristige Planung konsultiere ich noch immer am liebsten Jimmy Cornells „Segelrouten der Welt“.  Da sehe ich genau wann ich wo am besten sein sollte, und wo nicht. Die übliche Zeit für eine Atlantik-Überquerung von Ost nach West liegt zwischen Ende November und Ende Januar, denn schließlich will keiner in die letzten Hurricanes des Herbstes geraten, noch zu spät in der Karibik ankommen, sondern die Saison vor Ort geniessen. In diesem Jahr bin ich mit der ARC, der Atlantic Rally for Cruisers in die Karibik gesegelt. Dabei starten 200 Yachten gleichzeitig von den Kanaren und bieten so ein zusätzliches Sicherheitsnetz.

Täglicher Positionseintrag auf der Seekarte

 
Für die Überfahrt habe ich meinen Plotter mit der neuen elektronischen Seekarte (Navionics) für die Karibik bestückt und auf dem Kartentisch liegt zusätzlich der Übersegler. Eigentlich sogar zwei, denn neben der Nordatlantikkarte, nehme ich auch immer gerne noch die Großkreiskarte an Bord. Täglich um 12 Uhr UTC male ich ein Kreuz mit meiner Position in die Karte und kann so mein Etmal und den Kurs überprüfen und freue mich auch Jahre später noch, die Karte hervorzukramen und die Route nachzuvollziehen.
Wer mag kann noch einen Blick in den Strömungsatlas werfen, wobei wir auf dieser Route meist mit wunderbarem Mit-Strom zwischen 0,5 und 1 Knoten rechnen können.
Als Backup habe ich einen Sextanten und die entsprechenden Jahrbücher und HO-Tafeln dabei. Meist bleibt es aber bei ein paar Übungsmessungen.

Start auf den Kanaren und nach Westen in die Karibik

Um in den Kanaren gut vorbereitet loszufahren brauche ich den Sportbootkartensatz Atlantic Islands und den Cruising Guide von Rod Heikel. Angekommen in der Karibik bin ich dann mit den Windward- und Leeward Islands-Karten von NV charts, sowie den von Chris Doyle verfassten Ringbüchern als Cruising Guides unterwegs.


Zurück aus der Karibik nach Europa in Richtung Osten

Ein etwas anderer Schnack ist die Rückroute von West nach Ost. Hier haben wir nicht mit den favorisierten Rückenwinden zu tun, sondern segeln in der Regel erstmal am Wind gen Norden, soweit es der Ostwind zuläßt um dann, sobald die Westwindsysteme greifen, abzubiegen und Kurs nach Osten abzusetzen. Die erste Station von der Karibik aus, sind dann die Azoren, etwa 2400 Seemeilen entfernt. Um zum Festland zu gelangen müssen noch einmal knapp 1000 Meilen beim zweiten Schlag absolviert werden. Hier ist meist mit Nordostwinden zu rechnen denn die übliche Rückfahrzeit liegt im Mai/Juni, wenn in der Karibik die Saison endet.

Für die Rücktour nutze ich die gleichen Papier-Karten und Hafenhandbücher wie auf der Ost-Westroute.
Um nicht nur navigatorisch, sondern auch planerisch ein paar Tipps zu erhalten empfehle ich das Handbuch für den Atlantischen Ozean von Jane Russell. Die Engländerin behandelt alle vorbereitenden Themen von der Ausrüstung, über die Sicherheit an Bord bis hin zu Vorbereitung der Crew.

Spannende Lektüre im Segelhandbuch für den Atlantischen OzeanUnd dann habe ich in diesem Jahr noch ein Kleinod entdeckt: Das Segelhandbuch für den Atlantischen Ozean der kaiserlichen Marine von 1910. Das mag angestaubt klingen enthält aber unglaublich viel Wissenswertes, das heute noch ebenso von Bedeutung ist wie vor 100 Jahren und lädt zum Stöbern ein.

 

Literaturliste

 

Weitere Informationen über die Bloggerin und Seglerin Mareike Guhr:

Hier geht es zum Blog von Mareike Guhr.

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